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E-Bike statt Rennrad auf Mallorca

E-Bike statt Rennrad auf Mallorca? Das kann doch wohl nicht wahr sein! Wir haben es gewagt und probiert. Und kaum zu glauben – es hat uns total gefallen und fasziniert. Eine unglaublich schöne Erfahrung, ein ganz neuer Radfahrgenuss mit erhöhtem Wohlfühlfaktor. Wir haben Mallorca total anders erlebt, die Naturschönheiten der Insel viel intensiver wahrgenommen und völlig neue Gegenden kennengelernt.

Reif für das E-Bike

Radfahrerparadies Mallorca

Mallorca, größte Insel der Balearen, immer noch und immer noch mehr Lieblingsinsel der Deutschen, bietet beste Voraussetzungen für abwechslungsreiche und erholsame Urlaubstage – vom Frühjahr bis zum späten Herbst von der Sonne verwöhnt. Heerscharen von Fahrradfahrern  – vor allem Rennradfahrer – haben die Vorzüge dieses Inselparadieses seit Jahren erkannt. Profimannschaften bereiten sich sich schon ab Februar auf die kommende Rennsaison vor. Keine Straße, ob mitten im Inland oder an der Küste, auf der wir nicht zu jeder Tageszeit Radfahrern begegnen, kein Dorfplatz, der nicht für eine Cappuccino-Pause von Radlern bevölkert wird und auch kein Restaurant, in dem die bunten Trikots der Rennradler nicht zu sehen sind.

Mit dem Rennrad auf dem Weg nach oben

Seit vielen Jahren sind wir auch dabei. Mindestens einmal im Jahr auf Mallorca Rennradfahren, das war und ist für uns Pflichtprogramm. Wir sind durch viele Länder geradelt, auch mit dem Rennrad, müssen aber immer wieder feststellen: Mallorca ist zum Radfahren perfekt! Fast alle Ecken dieser  wunderschönen Insel haben wir durchfahren, auch die Steigungen der Serra de Tramuntana haben wir mühsam erklommen und mit einem mulmigen Gefühl im Buch die steilen Abfahrten gemeistert.

Mühen des Rennradfahrens

Aber wir müssen auch ehrlich sein: Manches Mal war am Ende der Tour, oft auch schon lange vorher, der Nacken steif, der Po schmerzte und der Rücken drohte durchzubrechen. Immer den Blick auf das Hinterrad des Partners oder Trainingspartners in der Gruppe ließ über viele Stunden keine entspannte Sitzhaltung zu. Die wunderschöne Landschaft konnten wir nur am Rande wahrnehmen und genießen. Bei der einen oder anderen Steigung in den Bergen und Temperaturen von weit über 30 Grad Celsius in der mallorquinischen Mittagshitze war der Spaßfaktor doch eher bescheiden.

Und wenn wir dann in unser Hotel zurückkamen, war die Frage nicht „Was habt ihr gesehen?“ oder „Was habt ihr erlebt?“. Nein, immer die Frage, wirklich immer, „Welchen Schnitt bist du gefahren?“! Schon früh mussten wir lernen, dass beim Schieben des Rennrades auf dem Weg zum Café oder in der Fußgängerzone der Tacho ausgeschaltet werden muss, damit das Gehen mit dem Rad nicht den Schnitt versaut.

 

Pause am Strand

Bereit zum Umstieg: E-Bike statt Rennrad

„Wie viele Kilometer wollt ihr denn fahren?“, werden wir vom Fahrradverleiher im Mallorca-E-Bike-Zentrum in Can Pastilla zur Begrüßung gefragt. Wir wollen uns ein E-Bike mieten  und wundern uns, dass die Fahrradmiete offensichtlich nach der gefahrenen Kilometerleistung abgerechnet wird. Großspurig geben wir „mindestens 80 km“ an und dann kommt die Überraschung. Im Rahmen von E-Bike-Testwochen werden bei einer Fahrleistung von mindestens 50 km die Räder kostenlos verliehen. Da sind wir sofort dabei, nur für den Helm müssen wir 3 € Leihgebühr bezahlen. Kurze Einweisung in die Technik, ein paar Routentipps auf der Karte angesehen, die Sattelhöhe richtig eingestellt und schon gehts los.

Radweg zwischen El Arenal und Palma

Von El Arenal nach Palma und zurück

Wir radeln auf dem offiziellen Radweg von der Partyhochburg El Arenal bis nach Palma, immer an der Küste entlang. „Bierkönig“, „Oberbayern“ und andere Partyhochburgen interessieren uns heute nicht. Wir haben nur Blicke für die interessante Küstenlandschaft und die schönen Badestrände. Verfahren ist unmöglich, der Fahrradweg ist meistens rot markiert und bestens ausgeschildert, also auch ohne Karte oder Navi leicht zu meistern. Vorbei am Flughafen erreichen wir schnell und entspannt die Vororte der Inselhauptstadt und stehen vor der berühmten Kathedrale La Seu. Die Besichtigung der Altstadt von Palma haben wir uns für einen anderen Tag vorgenommen.

Vor der Kathedrale La Seu in Palma

Weiter geht es, immer mit Eco, der kleinsten Unterstützung unseres Elektromotors. Zunehmend wird der Radweg stärker frequentiert. Wir treffen auf Spaziergänger, Nordic Walker, Skater und Jogger. Wir müssen schon ein wenig aufpassen, aber vor motorisierten Verkehrsteilnehmern sind wir Gott sei Dank sicher. So können wir uns das lebhafte Treiben auf der Promenade und am Stadtstrand von Palma ansehen und die herrlichen Blicke auf das Meer mit den Kreuzfahrtschiffen und den Yachten genießen. Am Ende des Yachthafens endet leider der gut ausgebaute Radweg und wir kehren um – zurück nach El Arenal.

„Verkehrsteilnehmer“ auf der Promenade in Palma

Nix los am Ballermann

Zurück am „Ballermann“ sind wir mächtig enttäuscht: Keine grölenden Fans, keine Saufgelage mit Sangria-Eimern und überlangen Strohalmen, keine Nackten auf der Promenade, keine überlaute Partymusik.  Zumindest am frühen Nachmittag sieht alles einigermaßen ordentlich und gesittet aus. Wir schauen uns das Treiben ein wenig an und kehren zum verspäteten Mittagessen in ein Fischrestaurant an der Einfahrt zum Yachtclub ein – mit hervorragender Mehresfrüchte-Paella und herrlichem Blick von der Terrasse auf die Bucht von Palma.

Begegnung am „Ballermann“

Der Blick auf unsere Tachos nach dem Essen lässt uns leicht unruhig werden – wir haben erst 30 km zurückgelegt. Um die kostenlose Radmiete im Rahmen der Testwochen in Anspruch nahmen zu können, müssen wir noch mindestens 20 km zurücklegen. Und da zeigen sich die unvergleichlichen Vorteile eines E-Bikes. Wir schalten einfach eine Stufe höher in „Sport“ und düsen los Richtung Cap Blanc. Mühelos schaffen wir jede Steigung und auch der Wind von vorne stört uns nicht. Wir genießen die schöne Landschaft und vor allem die Blicke in die Buchten nahe der Küstenstraße. Als wir schließlich wieder in El Arenal ankommen und unsere Räder abgeben, stehen 60 km auf dem Tacho. Test bestanden und keine Miete bezahlt. Wir versprechen, den nächsten Tag wiederzukommen.

Meeresfrüchte-Paella im Las Serenas in El Arenal

Mit dem E-Bike die Schönheiten Mallorcas erkunden

Natürlich sind wir am nächsten Tag wiedergekommen, nicht, zumindest nicht nur, weil die Radmiete nichts kostet, sondern weil uns das Radeln mit dem E-Bike durch die herrliche Landschaften Mallorcas total fasziniert hat. Heute wählen wir die Strecke nach Llucmajor und zurück nach El Arenal über den kleinen Küstenort Cala Pi. Grüne Hügellandschaften, einsame Landstraßen ohne Autoverkehr, idyllische Orte, Llucmajor mit dem wunderschönen Marktplatz und zum Schluß immer wieder atemberaubende Ausblicke auf kleine Buchten und das leuchtend blaue Mittelmeer. Wir sind überzeugt, dass wir diese herrlichen Landschaftseindrücke und Naturerlebnisse als „Buckelradler“ so intensiv und entspannt nicht erlebt hätten. Wir bleiben dabei: Immer wieder E-Bike statt Rennrad auf Mallorca!

Bucht von Victoria im Nordosten

Wir waren in 2017 im Juni auf Mallorca. Gewohnt haben wir in Colonia Sant Jordi im Hotel Blau Colonia Sant Jodie Resort (http://www.blauhotels.com)  in Sa Pobla in einem Ferienhaus und in Palma in einem Apartment neben der Kathedrale. E-Bikes kann man praktisch überall auf Mallorca mieten. Die E-Bike-Testwochen waren im Bike-Center Playa de Palma (http://www.mallorca-e-bikes.com).

Über Radfahren mit dem E-Bike siehe auch den Reisebericht „Eingebauter Rückenwind: Mit dem E-Bike durch Gran Canaria“ (https://visser.reisen/mit-dem-e-bike-durch-gran-canaria/).

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