Berlin, Reiseberichte
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Fahrradfahren in Berlin

Fahrradfahren in Berlin, das ist unser Ziel! Kultur, Kunst und Kneipen – deswegen kommen viele Besucher immer wieder und immer mehr nach Berlin. Wir auch, aber nicht nur wegen der unglaublich vielfältigen Kulturlandschaft und der spannenden preußischen und deutschen Geschichte, sondern auch wegen der faszinierenden Möglichkeiten,  unsere Hauptstadt entspannt mit dem Fahrrad zu entdecken und durch die Stadt zu cruisen. Berlin ist nicht unbedingt fahrradfreundlich, aber wer wie wir schon mit dem Rad durch Beirut oder Saigon gekreuzt ist, wird die Radwege und die ausgeschilderten Radrouten trotz Kopfsteinpflaster hier und da und der einen oder anderen Baumwurzel zu schätzen wissen.

Unsere Wohnung in der Wilhelmstraße

Unsere Wohnung in der Wilhelmstraße

Jeden Sommer sind wir 2-3 Monate in Berlin, wir mieten eine möblierte Wohnung auf Zeit – mitten im Zentrum, in direkter Nähe zum Gendarmenmarkt, Potsdamer Platz und Brandenburger Tor. Berlin ist hip, Berlin ist aufregend, Berlin ist sexy, Berlin ist außerordentlich vielfältig und viel mehr als nur eine Reise wert – und das nicht nur für junge Leute. Wer wie wir die Welt gesehen hat, kann das bestätigen – und jedes Jahr ziehen 50.000 Menschen aus der ganzen Welt nach Berlin.

Mit dem Rad am Landwehrkanal

Mit dem Rad am Landwehrkanal

Jeden Morgen dasselbe Ritual: Ausgiebiges Studium der Tageszeitung, aber nicht des Sportteils oder der Todesanzeigen wie zuhause, sondern intensives Lesen des Veranstaltungskalenders und dann Festlegung des Tagesprogramms unter Berücksichtigung der aktuellen Wetterprognose. Auch wenn der Sommer in Berlin trotz des oft gelobten  kontinentalen Klimas nicht immer so ist  wie er zumindest nach unseren Vorstellungen sein sollte, schwingen wir uns fast jeden Tag auf unsere Räder und ziehen los.

Beim Fahrradfahren in Berlin immer aufpassen

Beim Fahrradfahren in Berlin immer aufpassen

Dabei haben wir in Berlin eine neue Sportart entdeckt: das Cruisen. Cruisen bedeutet „ohne bestimmtes Ziel gemächlich herumfahren“. Das ist unser neues Hobby, das sich in Berlin hervorragend ausüben lässt. Natürlich haben wir meistens ein Ziel oder zumindest eine Richtung, in die wir uns bewegen wollen. Aber oft landen wir woanders als geplant und das genießen wir als Geist der neuen Freiheit in einem Leben, das bisher vollkommen durchgeplant war. Also nicht mehr möglichst schnell von A nach B kommen, sondern mit und auf dem Rad in der pulsierenden Weltstadt Berlin mit den unglaublich vielen Attraktionen und Freizeitmöglichkeiten eine wunderschöne Zeit erleben – das ist Cruisen, das ist für uns Fahrradfahren in Berlin.

Blick auf das Brandenburger Tor, links das Adlon

Blick auf das Brandenburger Tor, links das Adlon

Nach ein paar Pedalumdrehungen kommen wir vorbei an der Britischen und Amerikanischen Botschaft zum Luxushotel Adlon neben dem Brandenburger Tor und warten mit den vielen Schaulustigen aus aller Welt auf die Prominenz aus Film, Funk, Fernsehen und Politik. An der Spree entlang geht es dann zum Reichstag und Kanzleramt, auch hier kommt uns das eine oder andere bekannte Gesicht entgegen. Hier anzuhalten kostet oft viel Zeit: Wenn der politische Betrieb auf Hochtouren läuft, suchen die Korrespondenten der in- und ausländischen Fernsehanstalten geeignet aussehende Interviewpartner. Da bin ich im Nachhinein doch froh, dass mein letzter Kommentar zur Griechenland-Krise offensichtlich nicht gesendet wurde. Aber es ist immer wieder ein erhabenes Gefühl, entspannt durch das deutsche Machtzentrum zu radeln und den Blick und auch die Gedanken schweifen zu lassen.

Idylle im Tiergarten

Idylle im Tiergarten

Am Schloss Bellevue, dem Amtssitz unseres Bundespräsidenten, radeln wir zügig vorbei, da ist meistens nichts los, aber die Strecke ist schön. Hinter der Siegessäule sind wir sofort im Tiergarten, ein Paradies für Radfahrer. Während früher die Kurfürsten hier Hirsche und Rehe jagten, genießen heute die Berliner und auch die Touristen diese größte innerstädtische Oase. Mit dem Rad lässt sich diese riesige Grünanlage mitten in der Stadt stressfrei erkunden. Wir radeln über kleine Brücken, durch gepflegte Parkanlagen, oft mit Blick auf Grillfreunde und Sonnenanbeter, einige nackt wie Gott sie schuf, und lassen uns treiben.

Unendliches Wegenetz im Tiergarten - ein Paradies für Radfahrer

Unendliches Wegenetz im Tiergarten – ein Paradies für Radfahrer

Dann die spannende Frage: Einkehren oder weiter Richtung Kurfürstendamm durch Charlottenburg und Wilmersdorf radeln?  Zum Café am Neuen See oder ein paar Meter weiter am Zoologischen Garten entlang zum Schleusenkrug? Der hat sich mittlerweile zu einem unserer Lieblingslokale und schon fast Stammkneipe entwickelt ( Bericht  über unsere Stammkneipen in Berlin folgt). Schon oft war hier Endstation, besser als in diesem Biergarten direkt am Landwehrkanal mit den besonderen und frischen Leckereien aus der Küche oder vom Grill kann man einen schönen Sommertag nicht verbringen.

Selbstbedienung im Schleusenkrug

Selbstbedienung im Schleusenkrug

Wenn Zeit, Lust und Kraft noch reichen, radeln wir durch die alten West-Berliner Stadtviertel Charlottenburg und Wilmersdorf, immer wieder gerne über die Prachtallee Kurfürstendamm. Die separaten Busspuren sind wie fast überall in Berlin für Fahrräder frei gegeben. Da lässt sich ziemlich stressfrei das muntere Treiben auf dem Einkaufsboulevard studieren, wenn nicht gerade ein Bus direkt hinter uns fährt. Auch in den Seitenstraßen fahren wir an vielen Nobel-Geschäften und Luxus-Boutiquen vorbei, auch an Galerien und Kneipen, vom Fahrradsattel können wir das Leben gut beobachten und wenn wir wollen, halten wir an und sind mittendrin. Geplant oder nicht geplant, gewollt oder nicht gewollt – mit dem Fahrrad kommen wir immer an interessanten Menschen, aufregenden Ecken und sehenswerten Bauten vorbei.

„Die Grünen“-Chefinnen und -Chefs auf dem Weg ins Kanzleramt

„Die Grünen“-Chefinnen und -Chefs auf dem Weg ins Kanzleramt

Berlin ist nicht nur erstaunlich grün, sondern auch nahe am Wasser gebaut. Egal ob Richtung Westen nach Spandau oder gen Osten zum Müggelsee – schöne Radwege durch viel Grün führen den Radler entlang der Spree, der Havel, dem Landwehr- oder dem Spandauer Schifffahrtskanal die meiste Zeit am Wasser entlang. Nicht zu vergessen die vielen Badeseen in und um Berlin mit klarem Wasser, einsamen Buchten und schönen Stränden. Den Wannsee kennt jeder, vielleicht noch den Müggelsee, aber die Seen- und Badelandschaft ist unglaublich vielfältig, Jeder kann seinen Lieblingssee finden, auch viele noch kaum besuchte Badeflecken gilt es zu entdecken. Wir baden am liebsten im Plötzensee. Also Rad abstellen, ausziehen und hinein ins kühle Nass – die Erfrischung ist perfekt.

Auf der früheren Start- und Landebahn Tempelhofer Feld

Auf der früheren Start- und Landebahn Tempelhofer Feld

Rad fahren kann man in Berlin fast überall, das Cruisen in der Stadt macht natürlich ohne Autoverkehr noch mehr Spaß. Ideal ist das Radeln auf dem ehemaligen Flugfeld Tempelhof. Wo gestern mitten in der Stadt noch Flugzeuge landeten und starteten, ist jetzt eine riesige Fläche von rund 300 ha für Freizeit-Aktivitäten aller Art zur Verfügung gestellt worden, nachdem die Berliner in einem Volksentscheid der Bebauung eine Abfuhr erteilt hatten. Der ehemalige Flughafen wird zu einer Parklandschaft mit Schutzbereichen für Flora und Fauna entwickelt. Schon heute ist das Tempelhofes Feld ein lebendiges Open-Air-Gelände in bester Lage und wird als Erholungszentrum für Spiel, Sport, Freizeit, Spaß und Kultur genutzt. Die verschiedenen Nutzungsbereiche lassen sich bequem mit dem Rad erkunden, auf den 2 km langen Start- und Landebahnen kann man gemütlich radeln, einen Sprint einlegen oder sich mit den Skatern ein Wettrennen liefern. Der Rückweg führt uns regelmäßig über das lebendige Kreuzberg, wo wir meistens in eines der vielen kleinen Multi-Kulti-Restaurants in der Bergmannstraße einkehren.

Fahrrad-Polo auf dem Tempelhofer Feld

Fahrrad-Polo auf dem Tempelhofer Feld

Skater im Geleitzug auf der ehemaligen Start- und Landebahn

Skater im Geleitzug auf der ehemaligen Start- und Landebahn

Selbst abends ist noch lange nicht Schluss: Die herrlichen Sommerabende in Berlin laden zum Fahrradfahren ein, auch abends ist Cruisen angesagt. Die Straßen sind ruhig, die Luft abgekühlt und frisch – ideale Voraussetzungen, aufs Fahrrad steigen. Einfach rollen lassen, kein festes Ziel erreichen müssen, die Freiheit auf dem Rad genießen: Den Tango-Tänzern im Monbijou-Park zusehen,  in einer Strandbar an der Spree Musik hören, den Sonnenuntergang auf dem Gendarmenmarkt zwischen dem Französischen und dem Deutschen Dom erleben, durch den hippen Prenzlauer Berg cruisen, eine neue Eissorte probieren oder entspannt irgendwo ein Bier oder ein Glas Wein als Absacker trinken – das hat schon was.

Wir sind überzeugt – Fahrradfahren im Sommer in der Großstadt Berlin und gerade in Berlin schafft ein neues Lebens- und Freiheitsgefühl, mehr Genuss als Sport, mehr Freiheit als Zwang – im nächsten Sommer kommen wir wieder, natürlich mit unseren Rädern.

Abendstimmung vor dem Brandenburger Tor

Abendstimmung vor dem Brandenburger Tor

Informationen über Berlin gibt es unendlich viele. Offizielles Stadtportal ist http://www.berlin.de, Infos für Besucher u.a. auch unter www.visitberlin.de, über Fahrradtouren http://www.visitberlin.de/de/erleben/sportmetropole/fahrradtouren.

 

 

 

 

 

 

 

 

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