Asien, Reiseberichte
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Mit dem Rad durch Asien (2) – Von Phnom Penh nach Bangkok

Wir haben es geschafft und sind irgendwie stolz – mit dem Fahrrad von Saigon nach Phnom Penh. Den 1. Teil unserer Reise mit dem Rad durch Asien haben wir hervorragend gemeistert.  Jetzt brechen wir zum zweiten Teil unserer Abenteuer-Radreise von Phnom Penh nach Bangkok auf. Die Eindrücke in Phnom Penh waren in jeder Beziehung gewaltig, jetzt sind wir ganz wild darauf, wieder auf dem Radsattel zu sitzen. Wegen des chaotischen Verkehrs in Phnom Penh lassen wir uns mit dem Bus ein Stück aus der Stadt hinausfahren. Dann geht es auf Nebenstraßen rund 45 km zur Stadt Oudong, der früheren Hauptstadt Kambodschas. Unsere beiden vietnamesischen Reiseleiter werden durch kambodschanische Kollegen ersetzt, auch die Begleitfahrzeuge werden an der Grenze gewechselt. Die Betreuung durch unsere Reiseleiter und auch die neuen Fahrer ist absolut perfekt, sie lesen uns jeden Wunsch von den Augen ab. Ich kann es kaum glauben, wenn bei einem der zahlreichen Stopps einer der beiden Reiseleiter mein Fahrrad festhält, damit ich bequemer absteigen kann.

Unterwegs in Kambodscha

Unterwegs in Kambodscha

Wir radeln durch das ländliche Kambodscha, für uns einzigartige und prägende Eindrücke. Die Kinder in den Dörfern am Wegesrand grüßen und winken noch begeisterter als in Vietnam, wenn überhaupt eine Steigerung möglich ist. Mit den älteren Schülern unterhalten wir uns in passablem Englisch. Sie erzählen uns, dass der Unterricht in zwei Schichten abgehalten wird. Viele Kinder gehen aber trotz Schulpflicht nicht zur Schule, weil die Eltern das Schulgeld und vor allem Schulkleidung nicht bezahlen können. Wie auch in Vietnam lassen wir die eine oder andere Spende da und fühlen uns hilflos, weil wir die Lebenssituation der Kinder nicht wirklich verbessern können. Wir durchqueren die tiefgrüne Landschaft mit ihren Seen, Wasserläufen und Feldern und können uns an der üppig-verschwenderischen Natur nicht sattsehen.  Aber die Begegnungen mit den Menschen bleiben noch stärker haften, sie vermitteln ein intensives emotionales Erlebnis, das so wohl nur mit dem Fahrrad erlebt werden kann. Unsere ganze Gruppe ist total begeistert!

Begegnungen unterwegs mit dem Rad durch Asien

Immer wieder Begegnungen unterwegs mit dem Rad durch Asien

In Oudong müssen wir 409 Stufen – so erzählen uns die Kinder, die uns unbedingt auf dem Weg nach oben begleiten wollen – zu der berühmten Tempelanlage auf dem Berggipfel aufsteigen. Viele kambodschanische Könige wurden hier gekrönt. Wir schauen uns die Tempel und Buddha-Statuen an und genießen bei einem kurzen Picknick die wunderschöne Aussicht von oben auf die umliegende Landschaft.

Tempelanlage Oudong

Stupas Oudong

Die Straßen werden schlechter, der Verkehr lässt nach, Kleinlaster und Ochsenkarren beherrschen das Stadtbild. Wir sind auf dem Weg in den Norden Kambodschas, unser Ziel ist die weltberühmte Tempelanlage Angkor Wat. In einem kleinen Dorf halten wir an einem Marktstand. Wir sehen keine gerösteten Nüsse, frisches Obst oder leckere Kekse, sondern frittierte Kakerlaken, Heuschrecken, Frösche, Spinnen und anderes Getier. Keiner hat den Mut, hier zuzugreifen, obwohl ein kleiner Imbiss am späten Vormittag schon nicht schlecht wäre. George, unser Chefreiseleiter, sieht das Entsetzen in unseren Augen und kauft ordentlich ein, von jeder Delikatesse eine große Tüte voll. Er besteht darauf, dass wir zumindest die proteinhaltigen Leckereien probieren. Ich beiße in eine geröstete Heuschrecke, es knackt und knirscht, aber ein besonderer Genuss will sich bei mir nicht einstellen. Nur gut, dass wir in unserem Begleitbus ausreichend Süßigkeiten und Gebäck mitführen.

Leckereien am Straßenrand

Leckereien am Straßenrand

Mitten im Dschungel erhebt sich die gewaltige Tempelanlage Sambor Prei Kuk, ein riesiger Komplex von ursprünglich mehr als 150 Khmer-Tempeln. Die Anlage ist mittlerweile von üppiger Vegetation überwuchert, die Natur hat sich eindrucksvoll ihren Lebensraum zurückerobert. Unzählige Kinder begleiten uns auf unserem Weg durch den Tempelkomplex, sie wollen sich mit uns unterhalten, ihre Englisch-Kenntnisse vorführen und vor allem ihre Seidenschals verkaufen.

Tempel von Sambor Prei Kuk

Tempel von Sambor Prei Kuk

Das Mittagessen in dem sehr einfachen Lokal auf dem Tempelgelände sieht bescheiden aus, schmeckt aber ganz ordentlich, vor allem unsere amerikanischen Mitreisenden sind zufrieden. Sie rufen eigentlich bei jedem Essen „great“ und „excellent“ und das meinen sie auch so. Ich bin froh, dass ich gestern in Phnom Penh eine große Pizza mit Meeresfrüchten gegessen und somit eine gute Grundlage für den heutigen Tag geschaffen habe. Tagsüber reichen mir Bananen, Nüsse und vor allem die leckeren Süßigkeiten aus der Proviantbox, abends freuen wir uns auf das reichhaltige und ausgesprochen leckere Essen in den Restaurants im Etappenort.

Abklatschen

Abklatschen

Auch heute stehen wieder unglaublich viele begeisterte Kinder am Wegesrand. Ein kleines Mädchen winkt, ich halte an und schenke ihr meine Trinkflasche. Blitzschnell rennt sie in eine Hütte kommt mit der mit Wasser gefüllten Flasche zurück. Ich bin gerührt und nehme meine Flasche mit dem Wasser als Geschenk wieder zurück. Die Strecke selbst ist eine besondere Herausforderung, wir fahren über eine staubige, unbefestigte Nebenstraße mit vielen Schlaglöchern. Unsere Betreuer haben vor Fahrtantritt Mundschutz-Masken verteilt, die wir da tatsächlich benötigen, weil uns jedes entgegenkommende Fahrzeuge minutenlang in dichte Staubwolken einhüllt. Die letzten Kilometer nach Siem Reap lassen wir uns bequem mit dem Bus chauffieren, pünktlich zum Abendessen erreichen wir unser Hotel im Zentrum der Stadt.

Auf staubigen Pisten

Auf staubigen Pisten

Siam Reap ist ein nettes Städtchen mit immerhin 150.000 Einwohnern und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im nordwestlichen Kambodscha. Die touristische Infrastruktur ist ausgezeichnet, die Stadt lebt von der Lage zu der weltberühmten Tempelanlage von Angkor, die nur 6 km nördlich der Stadt liegt. Aber Siam Reap selbst ist auch eine Reise wert, hier können wir herrlich bummeln, essen, trinken und durch die Geschäfte und Märkte ziehen. Unsere Gruppe ist nicht ganz vollzählig, es gibt einen Totalausfall und ein paar Teilausfälle, zumeist mit leichten Magen- und Darmproblemen. Heidi und ich spüren auch gelegentlich Bewegungen und Aktivitäten im Verdauungstrakt, fühlen uns aber vollkommen fit und wohl. Auf geht es mit dem Rad zum absoluten Höhepunkt unserer Fahrradtour – dem Besuch von Angkor Wat, der größten Tempelanlage der Welt.

Einfahrt Angkor Wat

Einfahrt Angkor Wat

Wir fahren  gemütlich die wenigen Kilometer von unserem Hotel mit dem Rad nach Angkor Wat – und dann liegt die Tempelstadt in ihrer gewaltigen Erhabenheit und düsternen Schönheit vor uns. Es ist ein unglaublich irres und schönes Gefühl, den einmaligen Bauwerken immer näher zu kommen und durch das Tempeltor zu radeln. Der Anblick ist überwältigend, trotz der tropischen Hitze fühle ich eine leichte Gänsehaut. Ergriffen steigen wir von den Rädern und lassen den Gesamteindruck einen Moment auf uns wirken. Die gewaltigen Anlagen aus dem zwölften Jahrhundert waren ursprünglich als Hindu-Tempel erbaut worden und sind erhabene Meisterstücke der Khmer- Architektur und kulturelle Leckerbissen erster Güte.

Tempelanlage Angkor Wat

Tempelanlage Angkor Wat

Wir radeln weiter und besuchen Ta Prohm, den geheimnisvollsten Tempel von Angkor. Trotz des sichtbaren Verfalls ist die Anlage immer noch faszinierend und beeindruckend. Die dicken Mauern sind von gewaltigen Bäumen überwuchert, was eine mystisch-romantische Stimmung schafft. Das nächste Highlight, das wir mit dem Rad erobern, ist die Festungsstadt Angkor Thom, die in ihrer Blütezeit 1 Million Menschen beherbergte – wahrscheinlich war sie damals die größte Hauptstadt der Welt. Auch wenn die Gebäude teilweise verfallen sind, stellen sie dennoch in beeindruckender Weise Zeugnisse des Glanzes und der Macht des Khmer-Reiches dar.

Tempel Ta Phrom

Tempel Ta Phrom

Nach dem Mittagessen sehen wir uns das eigentliche Angkor Wat, die Stadt der Tempel, an. Der fünftürmige Tempel in Zentrum der Anlage erinnert an eine Lotusblume und soll den Berg Meru, den Sitz der Götter, symbolisieren. Die fünf Türme erheben sich auf unterschiedlichen Ebenen bis zum imposanten Hauptheiligtum, auf das wir natürlich hochsteigen, um den wunderschönen Blick auf die gewaltigen Tempelanlagen und die weite Landschaft von oben genießen zu können.

Im Tal der 1000 Lingas

Im Tal der 1000 Lingas

Nach dem Tag voller Kultur radeln wir weiter durch das ländliche Kambodscha. Die Straßen sind selten asphaltiert, die Luft nicht ganz so heiß, kurzum – ein idealer Fahrradtag. Nach immerhin 60 km auf dem Rad werden wir zu Fuß auf einen Berg gejagt, um das “Tal der 1000 Lingas“ zu besuchen. Lingas sind Penisse, für uns sehen sie aus wie alte Pflastersteine. Sie sollen als Fruchtbarkeitssymbole das nach Angkor ins Tal fließende Wasser weihen. Auf dem Rückweg schauen wir noch beim Tempel Banteay Srei vorbei, der außergewöhnlich gut erhalten und wegen der Steinreliefs mit den lebhaften Zeugnissen der Vergangenheit besonders interessant ist.

Reliefs Banteay Srei

Reliefs Banteay Srei

Nach Battambang, der zweitgrößten Stadt Kambodschas, lassen wir uns mit dem Bus bringen, die ursprünglich vorgesehene Bootsfahrt von Siem Reap nach Battambang muss wegen Niedrigwasser ausfallen. Gegen Mittag kommen wir an, unser Zimmer sieht gut aus, nur leider liegt bereits ein Pärchen in unserem Bett. Ich murmel „Sorry, sorry“ und wir treten den Rückzug an. Unser neues Zimmer ist noch viel schöner und liegt direkt am Swimmingpool. Der Rest des Tages ist zur freien Verfügung und – wir können es wirklich nicht glauben – Greg, Richard und ein paar andere Unermüdliche wollen unbedingt mit dem Fahrrad noch eine Runde drehen. Wir genießen die Ruhe und das Nichtstun am Pool und lassen uns eine kambodschanische Massage geben. Die zierlichen Damen laufen über unsere Rücken, bei mir knackt es mehrere Male bedenklich, aber alles wird gut – wir sind fit für das letzte Stück unserer Etappe nach Bangkok.

Kuh gefangen

Kuh gefangen

Geschafft: 92 km auf meist nicht-asphaltierten Straßen und 7 Stunden auf dem Rad bis zur Ankunft in Pailin liegen hinter uns. Trotz der Anstrengung unter der heißen Sonne ist es wieder eine wunderschöne Tagesetappe. Früher soll die Gegend von Banditen unsicher gemacht worden sein, heute haben wir keine gesehen, dafür wie bisher überall in Kambodscha viele fröhliche Kinder am Straßenrand, kleine Nackedeis, die sich mit ihren „Hallo“-Rufen die Seele aus dem Hals schreien. Unterwegs ist immer was los: ich fange eine Kuh ein, die sich losgerissen hat, wir begegnen einer bunten Hochzeitsgesellschaft, sehen Mönche in orangefarbenen Kutten, die in einer langen Reihe am Straßenrand auf Opfergaben warten, Reisbauern und Wasserbüffel auf dem Feld und immer wieder Schulkinder in ihren Uniformen auf dem Fahrrad. Selbst die wenigen Hunde, die wir sehen, sind friedlich, sie sind zu faul zum Bellen.

Mönche warten auf Opfergaben

Mönche warten auf Opfergaben

Unsere Stunden in Kambodscha sind gezählt – die letzten 17 km bis zur kambodschanisch-thailändischen Grenze radeln wir in einem lockeren Auf und Ab durch weiterhin ländliche Gebiete. An der Grenze müssen wir uns von unserer kambodschanischen Begleitmannschaft verabschieden und dann mit dem Gepäck zu Fuß über die Grenze marschieren. Hinter der Grenze empfängt uns das thailändische Team, ebenso nett und hilfsbereit wie die Kollegen in Vietnam und Kambodscha. Die neuen Fahrräder, die wir an der Grenze erhalten, laufen wie geschmiert. Das ist auch notwendig, weil die Gegend  spürbar hügeliger wird. Die Straßen sind ausgezeichnet, nur an den Linksverkehr müssen wir uns erst gewöhnen. Der Kontrast zu Kambodscha ist augenfällig – schöne und große Häuser, gepflegte Vorgärten, gute Straßen und vor allem deutlich mehr Autoverkehr.

Kambodschanisch-thailändische Grenze

Kambodschanisch-thailändische Grenze

Die Zeichen stehen auf Abschied, wir treffen uns zum letzten gemeinsamen Abendessen in unserem Hotel in Chantanburi. Es wird alles aufgefahren, was das Meer zu bieten hat, ein wahrlich angemessener Abschluss unserer erlebnisreichen und eindrucksstarken Fahrradtour von Saigon nach Bangkok, wo wir morgen ankommen werden. Unsere Erwartungen vor der Reise waren hoch, sind aber in jeder Hinsicht erfüllt worden. Rund 600 km auf dem Fahrradsattel durch Vietnam, Kambodscha und Thailand – das war einmalig schön. Die sportlichen Herausforderungen waren gut zu meistern, auch wenn wir manche Tropfen Schweiß verloren haben. In der Gruppe fühlten wir uns total wohl, das Miteinander war eine echte Bereicherung unserer Radreise. Wir haben viele interessante und auch ernste Gespräche geführt, aber miteinander noch viel mehr Spaß gehabt. Auf dieser perfekt organisierten Tour mit einem überaus freundlichen und kompetenten Begleitteam haben wir eine wunderbare Zeit erlebt und einen hervorragenden wie unvergesslichen Einblick in die Kultur und Natur Südostasiens erhalten.

Unser Pool in Battambang

Unser Pool in Chantanburi

Wir sind in eine andere Welt eingetaucht und wieder einmal mehr davon überzeugt, dass wir nur auf dem Fahrrad diese intensiven Eindrücke und die damit verbundenen besonderen Glücksgefühle erleben können.

In Saigon haben wir im Rex Hotel (www.rexhotelvietnam.com), in Bangkok haben wir im Anantara Riverside Hotel (http://bangkok-riverside.anantara.de.com) gewohnt. Die Radreise von Saigon nach Bangkok wurde organisiert und durchgeführt von SpiceRoads (www.spiceroads.com) in Thailand. Der 1. Teil der Radreise von Saigon nach Phnom Penh ist unter https://visser.reisen/mit-dem-rad-durch-asien-1 ‎zu finden.

 

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