Asien, Reiseberichte
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Mit dem Rad von Bangkok nach Khao Lak

Weißer Sand, fruchtbare Landschaften, thailändische Kultur und strahlende Sonne – mit dem Rad von Bangkok nach Khao Lak wollen wir den schmalen Streifen zwischen dem Golf von Thailand und der Andamanensee im Süden Thailands erkunden. Nicht nur faul am Strand rumliegen und in der tropischen Sonne bruzzeln, sondern Land und Leute abseits der Touristenzentren erleben und dabei sportlich aktiv sein – das wollen wir und noch 11 Damen und Herren aus den USA, Belgien und wir beide aus Deutschland. Die einen sind jung, die anderen älter, ich bin tatsächlich nicht der älteste, auch ein beruhigendes Gefühl. Wir haben die Radtour „Cycling Coastal Thailand“ gebucht und sind gespannt bis leicht aufgeregt, welche Abenteuer uns in den nächsten 11 Tagen auf dieser Radtour erwarten. Am frühen Sonntagmorgen stehen wir abmarschbereit in unserem Hotel in Bangkok und werden von 2 Guides und 3 Fahrern mit 2 Kleinbussen und einem Van für die Fahrräder und unser Gepäck abgeholt. Großes Aufgebot für unsere Radreise entlang der thailändischen Küsten, sieht alles perfekt aus, es kann losgehen!

Unsere-Radgruppe

Unsere Rad-Gruppe

Statt auf unsere Räder steigen wir nach einem kurzen Bustransfer in kleine Boote, die uns durch das weit verzweigte Kanalnetz außerhalb der wuseligen Metropole von Bangkok zum Damnoen Nam Saduak Floating Market bringen, einer der größten und bekanntesten Schwimmenden Märkte Thailands. Ein unglaubliches und interessantes Treiben auf dem Wasser, ich werde unwillkürlich bei der Vielzahl der Touristen an Disney-Land erinnert. Das Warenangebot auf dem Kanal und am Kanal ist unüberschaubar vielfältig, das Essen wird auf  den Booten zubereitet und von dort direkt verkauft und verzehrt. 

Im Longtail-Boot

Im Longtail-Boot

Dann endlich geht es los, wir steigen auf unsere Räder und radeln gemütlich auf Nebenstraßen durch kleine Dörfer und weite Felder mit Obstplantagen und Gemüsegärten. Nach dem Großstadttreiben in Bangkok genießen wir die Ruhe und Einsamkeit und natürlich auch das entspannte Fahrradfahren. Immerhin 35 km legen wir zurück, bis wir am späten Nachmittag unser Etappenziel, ein rustikales Holzhaus im Thai-Stil direkt am Fluss, erreichen. Zum Abendessen werden wir mit Longtail (Langschwanz)–Booten zu einem Open-Air-Restaurant, ebenfalls direkt am Fluss gelegen, gebracht, allein die Bootstour dorthin bleibt unvergesslich. Überall Leben am Fluss, es wird gefeiert, gegessen, getrunken, gewunken und gerufen, auch gekauft und verkauft, eine romantische und feierliche Stimmung liegt über dem Fluss. Die Rückfahrt in dunkler Nacht wird nur von den funzeligen Lampen der entgegenkommenden Boote und der spärlichen Nachtbeleuchtung der Wohnhäuser am Flussufer gespenstisch erhellt.

Schwimmender Markt

Schwimmender Markt

Seit 3 Tagen sitzen wir im Sattel, der Po ist immer noch nicht wund. Es ist traumhaft schön, auf verkehrsarmen Straßen in der herrlichen und abwechslungsreichen Landschaft zu fahren. Wir durchqueren immer wieder Zuckerrohrfelder, Palmenhaine, Kokosnuss- und Mango-Plantagen, sogar ein Weingut besuchen wir. Natürlich lassen wir uns die angebotene Weinprobe nicht entgehen. Ich bin mir nicht sicher, welcher Wein einschließlich des gekosteten Thai-Weines am besten schmeckt, ich bin nur froh, nach einer kurzen Rad-Etappe in den Bus einsteigen zu können, der uns sicher und klimatisiert nach Hua Hin bringt.

Kokosnuss-Plantage

Kokosnuss-Plantage

Hua Hin – hier macht auch der König Urlaub – ist nicht nur eine interessante Stadt, sondern auch ein beliebter Badeort, touristisch noch nicht so verdorben wie einige andere Gegenden in Thailand. Nach den Tagen in den sehr ländlichen Regionen freuen wir uns über den Stadtbummel, nur den Nachtmarkt muss Heidi alleine besuchen,  ich nutze in entspannter und komfortabler Umgebung des Hotelpools die gute Internet-Verbindung, um mich auf den neuesten Stand der Nachrichten in der Welt und der Heimat zu bringen.

Buddha

Buddha

Wir radeln weiter, vorbei an malerischen Fischerdörfern und herrlichen Sandstränden, vorbei an Shrimps-Farmen, kleinen Tempeln und zahlreichen Höhlen. Alle paar Kilometer, mindestens aber jede Stunde, gibt es eine Pause, manches Mal dauern die Pausen länger als unsere Zeit auf dem Fahrrad. Aber die Pausen sind immer herrlich: Unsere Fahrer kaufen jeden Tag frische Früchte, die sie portionsgerecht zubereiten, und mit verschiedenen Snacks, Süßigkeiten und eisgekühlten Soft- und Energiedrinks aus der Kühlbox als Büfett aufbauen. Nachmittags liegt dann auch schon mal eine Dose Bier zwischen den Eiswürfeln.

Obst-Büfett unterwegs

Obst-Büfett unterwegs

Wenn wir dann am Abend nach einem erlebnisreichen Tag in unserem Hotel ankommen, stehen schwere Entscheidungen an: Sollen wir noch zum Strand gehen, die nähere Umgebung erkunden, eine Runde im Pool schwimmen, uns eine Massage gönnen oder lieber unsere Mails checken? Die Zeit bis zum gemeinsamen Abendessen ist immer viel zu kurz. Auf jeden Fall ist das Abendessen ohne Zweifel der Höhepunkt des an reichhaltigen Eindrücken nicht armen Tages. Die thailändische Küche ist wirklich ausgezeichnet. Fisch, Fleisch, Nudeln, Reis, Curries und Suppen – alles kommt mehr oder weniger gleichzeitig auf den Tisch und jeder nimmt sich, was und wie viel er möchte, alles ist frisch, köstlich und schmeckt ausgesprochen lecker.

Statt auf dem Rad sitzen wir in einem Schnellboot, das uns in 30 Minuten auf die Insel Talu im Golf von Thailand bringt. So muss es in Thailand früher ausgesehen haben: keine Knatterboote,  keine Anmache vor den Restaurants, keine dickbäuchigen Germanen mit zarten Thaimädchen, keine Werbebotschaften, keine Souvenirläden, dafür unberührter weißer Sandstrand, Schildkröten, Palmen und ein rustikales Restaurant mit fangfrischen Leckereien aus dem Meer. Der Strom fließt nicht immer, Internetverbindungen gibt es gelegentlich, der Wein kommt aus dem Kanister. Hier könnte das Paradies sein, naja, wenn der Generator nicht Tag und Nacht brummen würde. Wir fühlen uns trotzdem wohl und könnten noch ein paar Tage bleiben – auch ohne Fahrrad.

Insel Talu

Insel Talu

Wieder zurück auf dem Festland wird die Landschaft ein wenig hügeliger, oft auf kleinen Pfaden radeln wir entlang der Küste, nahe der Grenze zu Myanmar, dem früheren Burma. Gemütlich fahren wir auf die andere Meeresseite – vom Golf von Thailand wechseln wir zur Andamanensee.  Hier ist Thailand noch unverfälscht und natürlich schön. Wir baden in heißen Quellen, lassen uns in die Geheimnisse des Kaffeeanbaus einweisen, schauen einer Thai-Familie beim Kochen zu, dürfen in einem Muslim-Dorf bei der Produktion von Seife mithelfen und lernen so das wirkliche Landleben in Thailand näher kennen. Dank der Übersetzungskünste unserer Guides können wir uns mit den Menschen gut unterhalten und so viel mehr als aus Reiseführern und Reiseberichten erfahren. Die Sonnenuntergänge sind herrlich, nach dem Abendessen fallen wir wohlig-müde von Bier, Wein und Fahrradfahren in die Betten.

Begegnungen unterwegs auf der Radtour von Bangkok nach Khao Lak

Begegnungen unterwegs auf der Radtour von Bangkok nach Khan Lak

Ein Scheppern, ein Krachen hinter mir – Astrid, die junge Lady aus Belgien, hat ein großes Loch in der Straße nicht gesehen und ist voll über den Lenker abgestiegen. Blut und Tränen fließen in Strömen über ihr hübsches Gesicht, das sieht nicht gut aus. Die Wunden werden provisorisch versorgt, da ist es schon hilfreich und beruhigend zugleich, dass wir eine pensionierte  Ärztin und eine aktive Krankenschwester in unserer Fahrradgruppe haben. Der Minibus bringt Astrid ins örtliche Krankenhaus, dort wird die Platzwunde ohne Betäubung genäht, kostet dafür auch einschließlich einer Vorratspackung an Schmerzmitteln nur umgerechnet 7 Euro. Unsere Tour geht wie geplant weiter, Astrid lässt sich im Bus durch die Gegend kutschieren, für sie ist das Radfahren und auch das Baden im Meer vorbei.

Die „Schwanzgruppe“ ist auch schon angekommen, wir machen wieder eine der vielen Pausen, stärken uns mit frischen Früchten und kalten Drinks. „Schwanzgruppe“ nennen sich die amerikanischen Damen, die meistens am Ende der Gruppe radeln und unterwegs noch mehr quatschen als wir. Gerne warten wir auf sie, wir haben Zeit, und wenn alle ausgeruht und gestärkt sind, radeln wir gemeinsam weiter. Auch die Etappen der letzten Tage von 50-60 km in der leicht hügeligen Landschaft meistern wir spielend, nur zum Sonnenbaden an den herrlichen Sandstränden reicht die Zeit nicht. Unser Gesicht, unsere Arme und Beine werden immer brauner, der Rest des Körpers ist mehr oder weniger noch kalkweiß. Da müssen wir an der Farbgestaltung noch schwer arbeiten, bevor wir wieder in die Heimat zurückkehren.

Geschafft – wir sind in Khao Lak, dem Strandparadies an Thailands Westküste, angekommen. 10 Tage  und 330 km auf dem Fahrradsattel liegen hinter uns. Die Erlebnisse werden zu Erinnerungen, die wir nie vergessen werden. Das Wetter war perfekt, immer Sonnenschein und meistens eine leichte Brise. Die Gruppe mit den 13 unterschiedlichen Persönlichkeiten aus drei Ländern war voll in Ordnung, wir haben viel erzählt, viel erfahren und noch mehr gelacht.  Die Stimmung, die Harmonie und die Hilfsbereitschaft in der Gruppe war vorbildlich. Nebenbei konnten wir unsere Englischkenntnisse auffrischen und vertiefen, das kann auch nicht schaden. Beim Abschiedsessen sind wir uns völlig einig – diese Radtour mit dem Eintauchen in die thailändische Kultur und dem Radeln durch traumhaften Landschaften zwischen dem Golf von Thailand und der Andamanensee war einmalig, der Abschied fällt uns verdammt schwer. Und wir freuen uns total: Die „Schwanzgruppe“ schenkt Heidi und mir ein Halsband, weil wir immer auf sie gewartet haben und so nett sind …

Strand von Khao Lak

Strand von Khao Lak

Die Fahrradtour „Cycling Coastal Thailand“ wurde gebucht bei SpiceRoads in Bangkok (www.spiceroads.com). Vor dieser Radtour sind wir im Januar 2014 mit SpiceRoads als individuelle Tour durch die Mitte Vietnams geradelt – siehe den Beitrag https://visser.reisen/radtour-vietnam/ ‎in diesem Blog.

 

 

 

 

 

 

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