Berlin, Europa, Reiseberichte
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Mit dem Schiff durch Berlin

Mit dem Schiff durch Berlin?

Mit dem Schiff durch Berlin? Stadtrundfahrt auf dem Wasser? Klingt merkwürdig, geht aber – sogar ausgezeichnet. Der Tag ist lang, der Rücken schmerzt, die Füße brennen, die Luft – auch die Berliner Luft – ist raus. Wir lassen uns zu einer abendlichen Brückenfahrt überreden, nicht ohne uns vorher vergewissert zu haben, dass an Bord ein vielfältiges Angebot an Speisen und Getränken serviert wird.

Bereit für die Kreuzfahrt

Traumkulisse im historischen Zentrum

MS BEROLINA – unser Schiff für diesen Abend

Pünktlich um 18.30 Uhr legt unser Schiff vom Friedrichufer ab. Wir sitzen bequem auf dem Oberdeck, die Sonne scheint und die Drinks werden serviert. Schon sofort nach der Abfahrt baut sich eine herrliche Panorama-Ansicht vor uns auf: die Museumsinsel mit dem Bode-Museum, im Hintergrund leuchtet der Fernsehturm, ein beeindruckendes Wahrzeichen des wiedervereinigten Deutschland.

Bode-Museum mit Fernsehturm im Hintergrund

Andreas weiß Bescheid. Er ist unser „Stadtbilderklärer“ und kennt jede Menge Daten und Fakten. Vor allem kann er unterhaltsam erzählen und manche Anekdote aus dem realen Berliner Leben zum besten geben. So lässt er uns beim Blick auf den Berliner Dom wissen, dass wir 7 € Eintritt zur Besichtigung des Berliner Doms zahlen müssen. Da sollen wir doch besser einen Gottesdienst besuchen, dann ist der Eintritt frei!

Auf der Spree bis zur Oberbaumbrücke

Kater Blau

Wir verlassen das historische Viertel Berlins und schauen gespannt auf die Bauten des legendären Techno Clubs „Kater Blau“. Der Club hat 24 Stunden geöffnet, da soll die Post abgehen – sagt Andreas.

Alternatives Leben an der Spree

Wir halten unsere Kameras und Handys schußbereit, links und rechts der Spree tauchen interessante Bauten und zwischendrin feierndes Partyvolk auf, ein lebendiger und innovativer Mix unserer Gesellschaft, der nur in Berlin so zu finden ist. Besondere Hingucker ist das Radialsystem V, früher ein Abwasserpumpwerk, jetzt ein beliebtes und belebtes Kultur- und Veranstaltungszentrum im Stadtteil Friedrichshain.

Radialsystem V, ehemaliges Abwasserpumpwerk

Wohnhaus LIVING LEVELS

In Berlin herrscht Mangel an bezahlbarem Wohnraum, aber wir erfahren, dass es noch freie Wohnungen gibt. So auch in diesem modernen Wohnhaus mit den riesigen Glasfassaden. Die oberste Wohnung ist immer noch frei. Soll nur schlappe 22 Mio Euro kosten, dafür ist die geniale Aus-, Fern- und Rundumsicht inklusive.

Früher Eierkühlhaus („Eierspeicher“)

Kaum vorstellbar, 75 Millionen Eier wurden hier zu DDR-Zeiten hier gekühlt, jetzt liegen die Eier woanders und hier residiert die Deutschlandzentrale der Universal Music Group, das weltweit größte Musik-Label.

Musikhotel nhow

Vorbei an Europas erstem Musikhotel nhow Berlin, der Mercedes-Benz-Arena und der berühmten East-Side-Gallery nähern wir uns der Oberbaumbrücke, die festlich wie bestellt von der Abendsonne angestrahlt wird. Die Brücke, die Friedrichshain und Kreuzberg miteinander verbindet, hat im Laufe der Jahrhunderte viel erlebt und könnte spannende Geschichten erzählen. Das übernimmt für uns in geraffter Form Andreas. Dabei erfahren wir auch, dass Berlin mit fast 1000 Brücken deutlich mehr Brücken als Venedig hat.

Oberbaumbrücke

Von der Spree in den Landwehrkanal

 

Molecule Man

Mit letztem Blick auf den „Molecule Man“, einer 30 Meter hohen Wasserstatue in der Spree, biegt unser Schiff in den Landwehrkanal ein. In der Oberschleuse werden wir auf das Niveau des Kanals gebracht und müssen hier ein paar Minuten warten.

Durch Kreuzberg und Neuköln auf dem Landwehrkanal

Wir sind in eine andere Welt eingetaucht – kein Verkehr, kaum Lärm, viel Grün und eine wunderbare Abendstimmung. Kaum zu glauben, dass wir in einer 3 1/2-Millionen Weltmetropole sind. Viele, vor allem junge Leute, sitzen auf beiden Uferseiten des Landwehrkanals. Sie reden, trinken, winken und scheinen wie wir die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen. Gelegentlich zieht eine Haschisch-Wolke über den Kanal, der süßliche Duft begleitet uns durch Kreuzberg. Und wenn wir mal ein Boot sehen, dann ist es ein Schlauchboot, ein Ruderkahn oder nur eine Luftmatratze. Alles sieht easy und relaxt aus, auch wir fühlen uns pudelwohl.

Abendstimmung auf dem Wasser

Kreuzberger Nächte sind lang

Plötzlich unterbricht laute Musik die beruhigende Stille. „Kreuzberger Nächte sind lang“ tönt es über den Landwehrkanal. Andreas hält sein Handy ans Mikrofon und lässt für uns und wohl auch die Kreuzberger Ufergäste den Kultsong der Gebrüder Blattschuss erklingen. Der eine oder andere singt gerne mit, danach kehrt wieder beschauliche Ruhe ein.

Uferidylle am Landwehrkanal

Andreas erzählt in gewohnt charmanter Weise über das Leben und das Wohnen in Berlin von heute und gestern. Er erläutert den fortschreitenden Prozess der Gentrifizierung mit den Folgen für die bisherigen Mieter in dieser Gegend. Wir sind sofort davon überzeugt, dass man hier mit dem nötigen Kleingeld für eine Luxus-Eigentumswohnung hervorragend wohnen und leben kann.

Wohnhaus am Landwehrkanal

Mit dem Schiff durch Berlin ist nicht ganz ungefährlich. Die Brücken über den Landwehrkanal sind außergewöhnlich tief. Da heißt es dauernd: „Kopf einziehen“. Stehen auf dem Oberdeck ist streng verboten, aber schnell ein Foto machen ist zwischen den Brücken immer möglich, auch ein Toilettenbesuch im Unterdeck. Die Ankerklause mit dem spektakulär überhängenden Balkon lassen wir links liegen und müssen schließlich die bunte und lebendige Welt Kreuzbergs verlassen. Vorbei am Potsdamer Platz mit seiner interessanten Geschichte und den imposanten Neubauten tuckern wir am Zoologischen Garten vorbei am Rande des üppig grünen Tiergartens. Der Tiergarten, heute die grüne Lunge Berlins, war früher bevorzugtes Jagdrevier der Kurfürsten.

Legendärer „Rosinenbomber“ am Eingang des Deutschen Technikmuseums

Es wird frisch, die Sonne ist verschwunden. Der eine hat schon Hunger, die anderen noch nicht. Obwohl es unter Deck mollig warm und gemütlich ist, wollen wir unsere Logenplätze nicht aufgeben. Das Abendessen muss warten, dafür haben wir noch an Land genug Zeit. Wir nehmen noch einen Drink – stimmungsvoller und unterhaltsamer als eine Schifffahrt durch Berlin kann eine Stadtrundfahrt wirklich nicht sein.

Restaurant-Schiff Capt`n Schillow mit Charlottenburger Tor

Wir biegen wieder ab auf die Spree und tuckern gemütlich weiter durch Moabit. Vorbei an alten Industriedenkmälern und schicken Restaurants, durch den Spreebogen zum Schloss Bellevue, dem Dienstsitz unseres Bundespräsidenten. Am neuen Hauptbahnhof erreichen wir in der Abenddämmerung das moderne Regierungsviertel.

Zurück auf der Spree in das Regierungsviertel

Berliner Hauptbahnhof

Noch eine freie Wohnung in Berlin! Unsere Bundeskanzlerin wohnt nicht in ihrer Dienstwohnung im Kanzleramt (rechts oben), sondern immer noch zur Miete ins einem unscheinbaren Haus am Kupfergraben gegenüber der Museumsinsel. Die Lage hier ist auch nicht schlecht, direkte Verbindung zum Hubschrauberlandeplatz und unterirdische Verbindungen zu den Parlamentsgebäuden.

Bundeskanzleramt (mit Kanzlerwohnung)

Etwas mehr als 3 Stunden sind wir mit der MS BEROLINA auf den Wasserstraßen Berlins unterwegs.  Wir legen am Friedrichufer gegen 21.40 Uhr an und spurten sofort und direkt in die Ständige Vertretung gegenüber am Schiffbauerdamm. Das Abendessen wartet: „Altkanzler-Filet“ (Currywurst) mit Bratkartoffeln.

Die „Abendliche Brückenfahrt“ mit der MS BEROLINA der Reederei Stern und Kreis (https://www.sternundkreis.de) haben wir im Juli 2017 unternommen. Informationen über die Ständige Vertretung am Schiffbauerdamm mit Speisenkarte unter https://www.staev.de/berlin-mitte.html.

Über Berlin sind in diesem Reise-Blog auch noch folgende Beiträge erschienen:

Fahrradfahren in Berlin                                          (https://visser.reisen/fahrradfahren-in-berlin)                                                              Unsere Stammkneipen in Berlin                           (https://visser.reisen/stammkneipen-in-berlin                                                  Kulinarische Weltreise durch die Mall of Berlin                                (https://visser.reisen/kulinarische-weltreise-durch-die-mall-of-berlin)

 

 

 

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