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Mit der AIDAaura nach Madagaskar

Mit der AIDA nach Madagaskar

Endlich an Bord der AIDAaura! Die Nacht war lang. Gestartet sind wir mit dem Flieger von Port Elisabeth am frühen Nachmittag. In Johannesburg haben wir uns 6 Stunden die Zeit um die Ohren geschlagen, bevor wir pünktlich um 0.55 Uhr nach Mauritius gestartet sind. Schon gegen 8 Uhr sitzen wir im Restaurant der AIDAaura und frühstücken ausgiebig. Die Erholung kann beginnen, 14 Tage Kreuzfahrt durch den Indischen Ozean liegen vor uns. Wir sind total gespannt auf Madagaskar, ein exotisches und uns völlig unbekanntes Land.

Frühstück im Selection Restaurant

Von Mauritius über La Réunion nach Madagaskar

Die sonore Stimme unseres Kapitäns erklingt über Bordlautsprecher: Käfer-Alarm! Wir müssen zwischen 18.30 Uhr und 20.30 Uhr die Fenster verdunkeln, der Aufenthalt im Freien ist verboten, auch die Balkone sind gesperrt. Da sind wir richtig froh, dass wir keine Balkon-Kabine gebucht haben. Drinnen in der Kabine im Halbdunkel in der schönen Zeit der untergehenden Abendsonne zu sitzen ist keine beglückende Alternative. Zwischen Mauritius und La Réunion gibt es ein Abkommen, dass beim Einlaufen in den Hafen schon auf hoher See die Kreuzfahrtschiffe verdunkelt werden müssen, damit keine Käfer an Land kommen können. So genießen wir den ersten Abend an Bord im schummerigen Dunkel unserer AIDAaura.

Unsere Kabine auf Deck 4

Auf dem Indischen Ozean verstärkt sich aktuell der Tropensturm Berguitta. Das tropische Sturmsystem entwickelt sich immer stärker und wird in der neuen Woche Kurs auf Mauritius und La Réunion nehmen. Dabei könnte sich ein starker Zyklon mit unvorstellbaren Windgeschwindigkeiten von 200 km/h und unglaublicher Zerstörungskraft entwickeln, der je nach genauer Zugbahn die beiden Inseln voll erfassen kann. Ein Zyklon ist im Grunde ein Hurrikan, die Tropischen Stürme werden im Indischen Ozean einfach nur anders genannt. Das sind tolle Aussichten für unsere Reise durch den Indischen Ozean nach Madagaskar.

AIDA-Bar

Unsere Route wird kurzfristig gerändert. Zum einen wegen des nahenden Monster- Zyklons, zum anderen wegen der kritischen Proviantlage auf unserer AIDAaura. Auf Grund der vielen Routenänderungen der letzten Wochen konnte nicht genug Proviant neu gebunkert werden. So ist das Angebot an frischen Früchten noch spärlicher als sonst. Als wir uns abends im Restaurant auf ein Glas Weißwein freuen, bringt uns der Kellner eine Karaffe Rotwein. Es gibt keinen Weißwein mehr zum Abendessen! Der Kellner ist engagiert, er bringt uns ein Glas Sekt. Nett gemeint, aber nicht nach unserem Geschmack. Da bleiben wir – wie auch den nächsten Tag – doch lieber bei Wasser, aber nur zum Abendessen.

Abendessen im Selection Restaurant

Also müssen wir von Mauritius zuerst nach La Réunion schippern, um dort die Container mit den bestellten Waren in Empfang nehmen zu können. Als wir morgens im Hafen von Le Port auf La Réunion Ausschau nach den Containern halten, können wir sie nicht sehen. Der Kapitän beruhigt uns und kann berichten, dass das Container-Schiff schon angekommen sei und vielleicht heute noch entladen werden könne. Dann kommt die nächste Hiobs-Botschaft. Der Kapitän teilt uns mit, dass sich der Zyklon Berguitta  den Inseln Mauritius und La Réunion nähert. Da will er dann doch früher als geplant den Hafen in La Réunion  verlassen und Richtung Madagaskar in ruhigere Meeresgefilde einfahren.

AIDAaura auf Reede vor Rosy Be

Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt. Aufgrund der besonderen Insellage hat Madagaskar eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt mit zahlreichen endemischen Arten. So kommen wildlebende Lemuren und viele andere Tiere und Pflanzen nur auf Madagaskar vor. Flora und Fauna sind auf dieser exotischen Insel in vielerlei Hinsicht wirklich einmalig.

Chamäleon

Unser Kapitän gibt mächtig Gas. Wir erreichen Madagaskar viel früher als ursprünglich geplant und dümpeln nahe der Küste in relativ ruhigen Gewässern. Da denken wir an das alte Lied „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord.“ Das Lied hat auch heute einen ernsten Hintergrund. Auf Madagaskar ist Ende 2017 tatsächlich wieder die Pest ausgebrochen und alle Kreuzfahrtschiffe haben Madagaskar komplett aus ihren Reiserouten gestrichen. Die AIDAaura ist das erste Kreuzfahrtschiff, das wieder nach dem Ausbruch der Pest im Herbst letzten Jahres Madagaskar anläuft. Spätestens als wir ein Insektenspray gegen Mücken und Flöhe, die die Pesterreger übertragen, auf die Kabine geliefert bekommen, wird uns der Ernst der Lage bewusst. Aber wir sind frohen Mutes und wissen: No risk, no fun.

Kinder am Strand von Nosy Be

Auf Nosy Be

Am frühen Morgen Wir liegen vor Nosy Be, einer Insel vor der Nordwestküste Madagaskars. Das Klima ist feucht-schwül, die ganze Insel üppig grün. Nosy Be wird wegen der Vielzahl wohlriechender Duftpflanzen und Gewürzen auch Parfuminsel oder Insel der Düfte genannt. Die Menschen leben überwiegend von der Landwirtschaft und dem Fischfang, zunehmend auch vom Tourismus.

Empfangskapelle auf Nosy Be

Unsere AIDAaura kann wegen der unzureichenden Infrastruktur nicht im Hafen anlegen. Mit Tendern der AIDAaura und einheimischen Booten werden wir an Land gebracht. Eine Militärkapelle ist zu unseren Ehren aufmarschiert, wir tauchen in eine fremde und exotische Welt ein. Wir sind total gespannt und auch ein wenig aufgeregt.

Unterwegs zur Insel Nosy Sakatia

Um Land und Leute ein wenig kennenlernen zu können, haben wir eine kleine Rundfahrt gebucht. Im Minibus geht die Fahrt durch Helle Ville, der Inselhauptstadt, und dann weiter durch fruchtbare Landschaften nach Dzamandar, einem kleinen Küstenort. Die Fahrt gestaltet sich abenteuerlich. Dauernd bleibt der altersschwache Minibus stehen, bis er schließlich ganz seinen Geist aufgibt. Wir stehen unterwegs irgendwo im madagassischen Niemandsland und schauen uns das ländliche Treiben an. Die Menschen sind ausgesprochen nett und freundlich. Was uns auffällt, sind die vielen Kinder, die entweder vor den Hütten spielen oder aus der Schule kommend nach Hause gehen. Nach einer Stunde nimmt uns endlich ein anderer Minibus mit und bringt uns nach Dzamandar, wo wir mit einem Motorboot zur Insel Nosy Sakatia übersetzen. Wir schauen uns das Leben in einem abgeschiedenen Fischerdorf an, alles noch sehr ursprünglich und bescheiden.

Kinder beim Spielen

Zum Baden und Relaxen an den traumhaften und leeren Stränden haben wir keine Zeit, wir müssen wieder rechtzeitig zurück sein. Unser Minibus wurde zwischenzeitlich repariert, aber die Reparatur hielt nicht lange. Nach unzähligen unfreiwilligen Stopps kommt dann wieder ein anderer Bus aus Helle Ville, der uns dann ohne Zwischenfälle zurück zum Hafen bringt.

Dörfliche Idylle

Fischmarkt

Unterwegs in und um Antsiranana

Ganz im Norden Madagaskars liegt Antsiranana, fünftgrößte Stadt Madagaskars. Die rund 100.000 Einwohner gehören zahlreichen verschiedenen Volksgruppen an, die der Stadt ein weltoffenes, buntes Flair verleihen. Die prächtigen Gebäude aus der Kolonialzeit erinnern an den Reichtum, der hier früher vorhanden war.

Unser Tuk Tuk

Ochsenkarren

Am nächsten Morgen laufen wir in Antsiranana ein, im äußersten Norden Madagaskars gelegen. Die Architektur der Innenstadt erinnert an die Zeit der französischen Kolonialherrschaft, interessant sind die bunten Backsteinbauten mit ihren großen Veranden. In einem landestypischen Tuk Tuk lassen wir uns durch die Gegend chauffieren. Das ist schon ein kleines Abenteuer, weil auch hier die Straßen in einem abenteuerlichen Zustand sind. Daniel, unser Fahrer, ist sehr nett, spricht aber leider nur französisch. Auch ohne seine Erklärungen können wir die Schönheiten der Natur bewundern.

Wald mit Baobab-Bäumen

Die Naturschätze mit den einzigartigen Tier- und Pflanzenarten, die es nur hier und sonst nirgendwo auf der Welt gibt, sind beeindruckend. Die Fahrt mit dem Tuk Tuk ist zwar keine Erholung für die Bandscheibe, aber ein ideales Fortbewegungsmittel, um die Landschaftseindrücke intensiv zu erleben. Wir können ohne störende Fenster fotografieren und Daniel hält immer an, wenn wir ihm ein Zeichen geben.

Zuckerhut

Ein herrlicher Blick eröffnet sich auf den Pain de Sucre (Zuckerhut), der ähnlich aussieht wie der Zuckerhut in Rio de Janeiro. Interessanterweise ist die Bucht von Antsiranana die zweitgrößte der Welt, die größte ist die Bucht von Rio. In Ramena erfrischen wir uns an dem wunderschönen und menschenleeren Strand – Heidi im türkisfarbenen, lauwarmen Wasser, ich im Schatten unter einer Kokospalme.

Strandidylle

Bevor uns Daniel mit seinem Tuk Tuk zurück zum Hafen bringt, trinken wir noch in einer Kneipe ein Bier, schauen uns die bildhübschen jungen Damen auf der Straße an und lassen das lebendige, afrikanische Flair mit den Resten der Kolonialzeit auf uns wirken. Überall erleben wir eine freundliche und offene Atmosphäre. Noch ein kurzer Bummel über die Einkaufsstraße Rue de Colbert, dann ist der schöne Tag in Antsiranana vorbei. Als die AIDAaura dann langsam aus dem Hafen fährt, ist der Hafen voller Menschen, die zum Abschied gekommen sind. Sie winken, singen und tanzen – ein unglaublich stimmungsvolles und emotionales Bild. Die eine oder andere Dame auf der AIDA – auch Heidi gehört dazu – können ihre Tränen nicht unterdrücken. Der Abschied von dieser interessanten, in vielerlei Hinsicht einmaligen Insel im Indischen Ozean fällt uns nicht leicht, auch wenn die AIDAaura schon Kurs auf das nächste Traumziel, die Seychellen, nimmt.

Madagassische Lady mit Gesichtsschmuck

Vom 13.01. – 27.01.2018 waren wir mit der AIDAaura imIndischen Ozean unterwegs. Siehe auch den Blog-Beitrag über die Fahrt zu den Seychellen https://visser.reisen/mit-der-aidaaura-zu-den-seychellen/.

Informationen über die Kreuzfahrten mit den AIDA-Schiffen u.a. unter http://www.aida.de.

7 Kommentare

  1. Helmut & Irmgard sagt

    Wir waren da auch dabei. Trotz aller Aufregungen war gerade diese Kreuzfahrt ein
    Erlebnis, welches wir nicht vergessen werden 😀

  2. Vinz & Gerda sagt

    Hallo
    Wir werden Ende Jänner die gleiche Reise mit der AIDAblu machen.
    Wie funktioniert das mit dem Tuk-Tuk in Antsiranana?
    Werden in Toamasina und Nosy-Be auch Tuk-Tuk angeboten oder ist hier besser auf dem Schiff zu buchen. Stehen die Tuk-Tuk’s im Hafen?

    Danke im voraus

    • Gerhard Visser sagt

      Hallo,
      ob in Taomasina und Nosy-Be Tuk-Tuks am Hafen stehen, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. In Taomasina haben wir wegen der Routenänderung nicht angelegt, in Nosy-Be haben wie sicherheitshalber
      eine Ausflug über AIDA gebucht, schon das war wegen der vielen technischen Pannen ein kleines Abenteuer. In Antsiranana gibt es Tut-Tuks. Unbedingt vor dem AIDA-Pulk losfahren und die
      tolle Strecke weitestgehend ohne die Mitreisenden zu genießen.
      Viel Freude auf dieser unvergesslichen Kreuzfahrt.
      Mit Fernweh-Grüßen
      Gerhard

  3. Christina sagt

    Wir werden ende Januar diese Tour machen.
    Bis auf Mauritius haben wir noch keine Ausflüge gebucht.
    Habt ihr Tipps für uns? Habt ihr alles über Aida gebucht oder auch was auf eigene Faust gemacht?
    Da ich schwanger bin fallen leider viele Ausflüge laut Aida auf Madagaskar für mich raus. Kann man dort zu Fuß oder ähnliches was unternehmen?
    Danke

    • Gerhard Visser sagt

      Hallo Christina,
      also bei deiner Schwangerschaft möchte ich lieber keine Empfehlung abgeben, das muss individuell auch nach Tagesverfassung festgelegt werden. Auf den Inseln der Seychellen kann man bequem die herrliche Natur und die paradiesischen Strände mit einem Mietwagen erleben. Da ist Madagascar schon ursprünglicher, da würde ich dann doch eher auf der sicheren Seite sein wollen. Bei den Straßenverhältnissen scheint mir selbst das längere Fahren mit einem Taxi oder Tuk-Tuk nicht optimal zu sein. Da würde ich dann doch zu Fuß loswandern, die Hafenstädtchen und die Umgebung erkunden und relaxt den ein oder anderen (alkoholfreien) Drink genießen und mich dann auf die Ankunft auf der AIDA freuen.
      Eine tolle Reise wünsche ich,
      mit Fernweh-Grüßen
      Gerhard

  4. Gerhard sagt

    Gerhard
    Hallo wir machen die Reise Seychellen Madagaskar mit der Aidablu am 26.02.19.
    und wir lesen immer wieder in den Empfehlungen das man für Abends lange Kleidung wegen der Mücken benötigt ist das wirklich so wie habt Ihr das gehandhabt?
    Ganz netter Gruß >> Gerhard

    • Gerhard Visser sagt

      Nach meiner Erinnerung hatten wir wenig Probleme mit Mücken. meine Frau hatte in der ganzen Zeit nur ein paar Stiche, ich bin völlig verschont geblieben. Aber die normale Prophylaxe (vor allem in den Morgen- und Abendstunden entsprechende Kleidung und viel Mückenspray) kann ich unbedingt empfehlen.
      Ene wunderschöne Reise und tolle Erlebnisse
      Gerhard

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