Afrika, Reiseberichte
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Garonga Safari Lodge – Auge in Auge mit den Big Five

Das ist Afrika – wir sind mitten im Busch in Südafrika, in einem Camp im Makalali Reservat am westlichen Rand des Krüger Nationalparks. In den sechs Bungalow-Zelten, herrlich gelegen an einem ausgetrockneten Flussbett, werden maximal zwölf Gäste mit allem denkbaren Komfort verwöhnt. Perfekten Service bieten 36 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter Leitung des alten Haudegens Bernie, der vor vielen Jahren aus England hierher kam und hängen blieb. Von unserer Terrasse haben wir einen traumhaften Blick auf ein Wasserloch, an dem sich zahlreiche Tiere – Zebras, Giraffen, Gnus, Antilopen und andere Wildtiere – vor allem in den Morgen- und Abendstunden einfinden. Die Big Five – Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard – kann man auf den Pirschfahrten im offenen Landrover am frühen Morgen und späten Nachmittag erleben – deswegen haben wir uns hier auf der Garonga Safari Lodge für ein paar Tage einquartiert.

Die Gäste treffen sich zum Essen und natürlich auch zum Trinken im Hauptgebäude der Lodge. Nur allein über das Gelände gehen dürfen wir bei Dunkelheit nicht, denn die Lodge ist nicht eingezäunt und alle Tiere, auch Löwen, Leoparden und Elefanten, laufen frei herum. So werden wir zum Abendessen stets abgeholt und zu unserem Bungalow zurückgebracht – man kann schließlich nie wissen, ob nicht irgendwo im Busch auch ein Löwe auf sein Abendessen lauert. Also Gruselfaktor inbegriffen – nicht für den Löwen, aber für uns.

Zeltbungalow Garonga Lodge

Zeltbungalow Garonga Lodge

Die Betten könnten nicht komfortabler sein, aber an Schlaf ist kaum zu denken. Vielleicht liegt das an den frei herumlaufenden Löwen und Leoparden, aber wohl eher an der nächtlichen Geräuschkulisse. Erst quaken die Frösche, danach zirpen die Grillen und dann werden wir durch Löwengebrüll aus dem Halbschlaf gerissen. Wir haben das Gefühl, ein Löwe sitzt direkt unter unserem Zeltbungalow und wir steigern uns in die Vorstellung, dass ein hungriger Löwe auch durch das Zeltdach in unseren Bungalow eindringen kann, wenn er will. Der Löwe – oder vielleicht sind es auch mehrere – bleibt aber draußen und tatsächlich sehen wir am nächsten Morgen die Abdrücke mächtiger Löwentatzen im Sand auf dem Gelände unserer Lodge.

Wasserloch Garonga Lodge

Wasserloch Garaonga Lodge

Sofort nach unserer Ankunft sitzen wir im  offenen Geländewagen und brechen zur ersten Pirschfahrt auf. Ganz vorn auf der Kühlerhaube sitzt Patric, der Spurenleser. Er hilft Josia, unserem Fahrer und Guide, in der weiten Wildnis die Tiere aufzustöbern. Wir fahren los, kreuz und quer durch das Gelände, verlassen die staubigen Pisten – Spannung liegt in der Luft. Plötzlich stoppen wir direkt neben einem Leoparden – wir halten vor Aufregung die Luft an. Das ist schon ein unglaublich eindrucksvolles und nachhaltig schönes Gefühl, so direkt ohne trennenden Zaun oder Wassergraben einem ausgewachsenen Leoparden Auge in Auge gegenüberzustehen.

Tracker Patric und Guide Josia im Einsatz

Tracker Patric und Guide Josia bei der Arbeit

Leopard

Leopard

Danach bin ich reif für eine Massage, auch dieser Service wird im Busch angeboten. Gerade habe ich es mir auf der Massageliege bequem gemacht, da sieht die Masseuse 2 Löwen vor dem Fenster. Ich springe sofort – nackt wie ich bin – hoch und tatsächlich – 2 Löwen ziehen in Ruhe vorbei. Massage mit Löwenblick gibt es auch nicht alle Tage. 

Um 5:30 Uhr werden wir geweckt und 20 Minuten später abgeholt, in der Lodge dampfen schon Kaffee und Tee. Eine Viertelstunde später sitzen wir im offenen Pirschwagen, es ist frühmorgens noch bitter kalt. Wir wollen unbedingt Löwen sehen, Patric und Josia sind sicher, uns diesen Wunsch erfüllen zu können. Unsere Fahrt durch den Busch endet abrupt, umgestürzte Bäume versperren den Weg, hier haben sich in der Nacht Elefanten ausgetobt. Patric fährt allein mit dem Safariwagen zurück, um einen neuen Weg zu suchen, wir setzen unsere Pirsch zu Fuß fort. Josia gibt uns noch ein paar Verhaltensinstruktionen. Als er sein Gewehr lädt, wird mir schon ein wenig mulmig. Er marschiert  vornweg, Heidi in der Mitte und ich armer Teufel muss am Ende der kleinen Kolonne laufen. Sprechen sollen wir nicht, nur flüstern. Plötzlich lautes Löwengebrüll in der morgendlichen Stille – unser Guide  entsichert sein Gewehr und schaut sich unsicher um. Erst ganz leise, dann immer lauter ruft er in sein Sprechfunkgerät „Patric, bitte kommen, Patric, bitte kommen“,  aber Patric kommt nicht. So ziehen wir alleine weiter, ich muss gestehen, ich habe selten so schweres Muffensausen gehabt wie hier in der Wildnis Afrikas im Reich der Löwen.

Afrikanischer Mistkäfer bei der Arbeit - auch Kleinvieh macht Mist

Afrikanischer Mistkäfer bei der Arbeit- auch Kleinvieh macht Mist

Josia, das Gewehr immer in der Hand, zeigt uns die Fußabdrücke vieler Tiere, auch von Elefanten, Leoparden und Löwen, einige sind Gott sei Dank ein paar Tage alt. Das Löwengebrüll ist verstummt, wir gehen weiter. Statt der großen Tiere lernen wir auf unserer Wanderung durch die Savanne die Welt der Termiten und Käfer kennen, auch interessant, den Blick mal auf den Boden zu werfen. Wir beobachten aufmerksam einen afrikanischen Mistkäfer, der eine – für seine Größe – riesige Kugel aus Erde und Dung durch die Gegend rollt. Und wenn der Misthaufen ihm dann mal wegflutscht, flitzt er hinterher und rollt die Kugel weiter durch die Gegend.

Junge Löwen beim Spielen

Junge Löwen beim Spielen

Aber wir wollen keine Mistkäfer sehen, sondern Löwen in ihrer natürlichen Umgebung erleben. Zwischenzeitlich hat uns Patric mit dem Jeep aufgegabelt, er hat versprochen, dass wir heute noch Löwen sehen werden. Und dann tatsächlich – unmittelbar vor uns – wirklich nur ein paar Meter entfernt – liegen 2 Löwinnen mit im trockenen Gras und kauen an den Resten eines Warzenschweins. 3 junge Löwen tollen durch die Gegend und jagen sich gegenseitig. Ein tolles Schauspiel und ein irres Gefühl, so direkt Auge in Auge ein Löwenrudel zu erleben. Wir könnten stundenlang zuschauen, das ist Abenteuer pur.

Leckeres Warzenschwein

Leckeres Warzenschwein

Das Fotografieren scheint die Löwen nicht zu stören, den Blitz haben wir ausgeschaltet. Heidi möchte ihre Position zum Fotografieren verbessern und richtet sich auf – ich glaube, ich sehe nicht richtig. Eindringlich sind wir von Josia ermahnt worden, ruhig im Auto sitzen zu bleiben, an den Anblick eines Autos hätten sich die Löwen gewöhnt. Heidi wird sofort von Josia zusammengestaucht und setzt sich wieder hin. Aber der Löwin ist das nicht geheuer, sie richtet sich auf und beobachtet uns aufmerksam – eine unglaubliche Spannung liegt in der Luft. Keiner rührt sich, keiner spricht ein Wort. Schließlich zieht die Löwin ab und legt sich ein paar Meter weiter im dichten Gras wieder hin. Als wir dann wieder Richtung Lodge fahren, muss sich Heidi noch eine Standpauke von Josia anhören. Ich bin froh, das alles gut ausging – und ich das erleben durfte.

Löwin auf der Lauer

Löwin auf der Lauer

In einem Wasserloch beobachten wir eine Herde Flusspferde vom Uferrand aus. Sie sind in dem weiten Reservat leicht zu finden, weil sie meistens in angestammten Revieren leben. Die gewaltigen Kolosse schwimmen träge im Wasser, alle Augen richten sich auf uns. Nur die leicht vorstehenden Augen, die Ohren und die Nasenlöcher ragen aus dem Wasser. Von Zeit zu Zeit reisst ein Flusspferd sein breites Maul auf, da kann man kaum glauben, dass die Flusspferde reine Pflanzenfresser sind. Josia parkt den Landrover so, dass er im Notfall sofort – hoffentlich mit uns – Richtung Piste starten kann. Flusspferde sehen träge und gemütlich aus, sind aber unberechenbar und können an Land bis zu 50 km pro Stunde rennen.

Große Klappe

Große Klappe

Neuer Morgen, neue Safari. Wir sitzen wieder im Jeep, Josia und Patric fragen uns, was wir sehen wollen. Die Entscheidung ist doch klar, uns fehlen noch die Nashörner, die wollen wir sehen. Kreuz und quer fahren wir durch den Busch, sehen unterwegs 2 männliche Löwen mit mächtiger Mähne in der Sonne liegen. Sie scheinen satt zu sein und bewegen sich kaum. Wir wollen weiter. Und dann endlich sehen wir sie – 2 Nashörner mit einem Jungtier, ein imposantes Bild, direkt vor diesen tonnenschweren Tieren zu stehen. Das Jungtier sieht besonders süß aus, es will immer nur spielen – nicht mit uns, sondern mit einer Kugel aus Elefanten- oder Nashornkot. Wenn die Tiere weiterziehen, folgt Josia  ihnen mit dem Jeep quer durch die Buschvegetation, da knicken schon mal ein paar kleine Bäume um. Wir bleiben den Nashörnern im wahrsten Sinne des Wortes immer auf den Fersen. Das ist schon aufregend und faszinierend, diesen massigen und doch irgendwie niedlichen Tieren mit den kurzen Beinen so lange aus direkter Nähe zuzuschauen – näher geht es wirklich nicht.

Nashörner

Nashörner

Das Abendessen ist immer ein besonderes Erlebnis, es wird richtig zelebriert mit allem Drum und Dran. Im täglichen Wechsel sitzen wir gemeinsam mit den anderen Gästen um einen großen Tisch oder ganz alleine auf einer der vielen kleinen Terrassen rund um das Lodge-Hauptgebäude. Die Tische sind liebevoll dekoriert, das Essen ausgezeichnet und die südafrikanischen Weine schmecken vorzüglich. Wir vergessen in dieser stimmungsvollen Umgebung, dass wir uns mitten in der afrikanischen Wildnis befinden, wenn uns nicht nach dem letzten Schnaps der Wachmann mit seinem Gewehr ins Bett bringen würde.

Abendstimmung auf der Garonga Lodge

Abendstimmung auf der Garonga Lodge

Weiter Informationen über die Garonga Safari Lodge unter www.garonga.com.

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