Australien und Neuseeland, Reiseberichte
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Schwimmen mit Walhaien

Wir sind auf dem Weg zu einem ultimativen Abenteuer – Schwimmen mit Walhaien. Wir wollen mit den gewaltigsten Fischen der Weltmeere, den Walhaien, im offenen Ozean schwimmen. Die Australier sprechen von der “once-in-a-lifetime chance”, also eine Chance, die sich nur einmal im Leben bietet, eine Gelegenheit, die man nutzen muss. Auch wir wollen die Chance ergreifen und uns auf die ultimative Erfahrung einlassen, wir wollen den außergewöhnlichen Nervenkitzel, mit den  Walhaien zu schwimmen, am eigenen Leib erleben.

Mit unserem kleinen Wohnmobil reisen wir entlang der westaustralischen Küste von Perth im Süden des Kontinents bis nach Broome im tropischen Norden. Nach den Tagen in Monkey Mia und den Begegnungen mit wilden Delphinen sind wir in Coral Bay gelandet, bekannt und berühmt wegen der kilometerlangen, unberührten Sandstrände. Aber wir sind nicht – zumindest nicht primär – wegen der schönen Strände hier, sondern mehr wegen der einzigartigen Unterwasserwelt des Ningaloo Reef Marine Parks. Dieses Riff ist eines der letzten Meeresparadiese der Welt mit hunderten von tropischen Fischarten, bunten Korallen und – hier kann man von März bis Mitte Juli nahe der Küste Walhaie in ihrem Element beobachten. Die Gewässer sind in dieser Zeit besonders nährstoffreich, insbesondere direkt unterhalb der Wasseroberfläche. Deshalb ziehen hier in dieser Zeit die Meeresgiganten ihre Bahnen, um zu fressen und satt zu werden.

20 Leute, alle jünger als wir, zumindest jünger als ich, wollen dieses Abenteuer mit uns erleben. Am frühen Morgen verlassen wir mit einem modernen Motorboot bei herrlichem Sonnenschein und einer frischen Brise den Hafen. Tauchermaske, Flossen und Schnorcheln liegen bereit, wir bekommen noch Neoprenanzüge,  die uns bei längerem Aufenthalt vor Kälte schützen sollen. Es kann losgehen, eine spürbare Nervosität liegt in der Luft.

Bereit zum Abenteuer

Bereit zum Abenteuer

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Aber unsere Freude an der Bootsfahrt hält sich in Grenzen. Den ganzen Tag kreuzen wir auf dem Meer, es weht ein starker Wind, die Wellen erreichen zeitweise eine Höhe von 3 Metern. Die Hälfte der Mitreisenden hängt über der Reling und füttert die Fische. Heidi und ich waren schlau und haben uns vor dem Betreten des Bootes  Pillen gegen Seekrankheit eingeworfen. So fühlen wir uns einigermaßen okay, nur das Essen an Bord schmeckt noch nicht so richtig. Unterwegs sehen wir Seekühe, die ruhig ihre Bahnen ziehen und Delphine, die munter vor uns aus dem Wasser springen.

Es ist schon Nachmittag, immer noch keine Walhaie in Sicht. Wir glauben nicht mehr an unser Glück, schließlich haben die Riesenfische keine festen Reviere und der Indische Ozean ist unfassbar groß. Die aufmerksame Mannschaft hält uns mit bekannten Motivationssprüchen wie “Die Hoffnung stirbt zuletzt“, mit netten Gesprächen und einem reichhaltigen Buffet bei Laune. Wir erfahren, dass Suchflugzeuge unterwegs sind und während ganzen Tages das Meer nach Walhaien absuchen. Wegen der unruhigen See steuert der Kapitän zwischendurch immer wieder ruhigere Gewässer zwischen den Korallenbänken an, wo wir mit Schnorchelausrüstung ins Wasser springen und begeistert sind von der vielfältigen und bunten Unterwasserwelt. Plötzlich schreit der Kapitän, wir müssen den Schnorcheltrip abbrechen und sofort an Bord. Ein Suchflugzeug hat Walhaie gesichtet und wir düsen mit Höchstgeschwindigkeit über den Ozean. Wegen des hohen Seegangs müssen wir uns mit beiden Händen festhalten. So etwa 75 km von der Küste entfernt stoppt der Kapitän die Motoren und wir sehen einen großen Schatten im Wasser – ein gigantischer Walhai zieht vorbei. Dann bricht Hektik aus, es ist so weit, wir springen ins Wasser. Ich gestehe, mir ist nicht ganz wohl.

Mit offenem Maul schwimmt der Koloss auf uns zu. Der Gigant der Meere ist direkt vor uns. Ich sehe nur noch eine dunkle Masse und rudere mit den Armen, um dem Walhai aus dem Weg zu schwimmen. Angst habe ich eigentlich nicht, zumal uns unser Guide mehrere Male zuvor versichert hat, dass Wahlhaie völlig harmlos seien und nur Plankton und andere kleine Meereslebewesen fressen. Ich bin in dem Moment völlig sicher, dass er recht hat, muss aber bei dem aufgerissenen Maul direkt vor mir an die Geschichte von Jona denken, der bekanntlich  von einem Wal – vielleicht war es sogar ein Walhai? –  verschluckt wurde und nach drei Tagen an einem einsamen Strand ausgespien wurde. Die Geschichte nahm bekanntermaßen ein gutes Ende,  auch unsere Begegnung mit dem Walhai. Der Koloss zieht weiter, wir müssen wieder zurück auf unser Boot. Die Walhaie sind streng geschützt, nur jeweils zehn Schwimmer dürfen gleichzeitig mit den Walhaien im Wasser sein, die Gesamtzeit für das Schwimmen mit den Tiere ist auf maximal 1 Stunde begrenzt. So kommt Hektik auf – rein ins Wasser, rauf aufs Boot, rein ins Wasser, rauf aufs Boot, vier Mal springen wir ins Wasser. Unser Kapitän schafft es durch geschicktes Manövrieren, dass wir möglichst vor dem heranschwimmenden Walhai ins Wasser springen und somit optimale Begegnungen erleben können.

Walhai

Walhai

So ein Walhai kann 18 m lang werden und ein Gewicht von bis zu 20 t erreichen, das sind schon gewaltige Ausmaße, vor allem wenn man direkt vor oder neben einem solchen Giganten schwimmt. Beim Schwimmen müssen sie Ihr Maul weit aufreißen, um aus den nahrungsreichen Gewässern Plankton und andere Meereslebewesen heraus zu filtern. Es ist schwer, den Eindruck zu beschreiben, wenn ein solch riesiges Maul vor einem auftaucht. Auf jeden Fall ist es ein unglaublich beeindruckendes Gefühl, ein mit nichts zu vergleichender Nervenkitzel und ein nachhaltiges Erlebnis. Schwimmen mit Walhaien ist eines der letzten Abenteuer auf dem Meer und in der Tat eine “Once-a-life-time chance”, wir sind froh, dass wir sie ergriffen haben – und eine Urkunde bekommen wir auch.

Urkunde nach überstandenem Abenteuer

Urkunde nach überstandenem Abenteuer

Gute Gelegenheiten, mit Walhaien zu schwimmen, ergeben sich im Ningaloo Reef Nationalpark an der Nordwestküste Australiens, am besten von Coral Bay (www.coralbayecotours.com, www.ningalooreefdive.com, u.a.) oder von Exmouth (www.whalesharkdive.com, www.ningalooblue.com.au, www.ningaloowhalesharks.com, u.a.) aus.

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