Amerika, Reiseberichte
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Transatlantik-Kreuzfahrt mit der AIDAaura

“Überfall“ – das sind Heidis erste Worte, als wir morgens gegen 3:30 Uhr unsanft durch Rappeln und Schlagen an unserer Zimmertür geweckt werden. Mutig geht Heidi voran, ich bleibe in Deckung. Entschlossen öffnet sie die Tür, da stehen drei Männer – offensichtlich voll wie die Haubitzen – und wollen in unser Zimmer. Nach einem lautstarken Wortwechsel in verschiedenen Sprachen und mit dem Beistand von zwei Hotelangestellten ziehen sie dann mit mehrfachen „Sorry, sorry“ ab. Wir sind nach unserer Süd- und Mittelamerika-Rundreise in Punta Cana (Dominikanische Republik) gelandet und wollen mit der AIDAaura den Atlantik überqueren.

Den Atlantik mit einem Schiff zu überqueren, war immer schon ein alter Traum von mir, ähnlich wie die Zugfahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn. Reisen im klassischen Sinne, nicht schnell und bequem von A nach B kommen, sondern getreu dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ eine spannende und abwechslungsreiche Zeit mit unvergesslichen Momenten unterwegs zu verbringen. Eigentlich wollte ich mit dem berühmten Transatlantikliner  Queen Mary 2 mit der besonderen Mischung aus klassischer Eleganz und moderner Tradition den Atlantik von Amerika nach Europa überqueren, aber als eingefleischte AIDA-Fans fiel die Entscheidung auf die Passage mit der AIDAaura, zumal die Abfahrtszeit besser in unsere Reiseplanung passte.

Mit dem Taxi lassen wir uns frühmorgens nach La Romana bringen und stehen im kleinen Hafen plötzlich vor der AIDaura. Sie wirkt gewaltig, obwohl sie mit 1200 Gästen und 400 Besatzungsmitgliedern zu den eher kleineren Kreuzfahrtschiffen gehört.

Transatlantik-Kreuzfahrt mit der AIDAaura

Transatlantik-Kreuzfahrt mit der AIDAaura

Wir fühlen uns sofort heimisch an Bord, mit Schiffen der AIDA-Flotte sind wir in den letzten Jahren mehrere Male unterwegs gewesen, zumal die AIDAaura auch im Wesentlichen baugleich mit der AIDAcara und der AIDAvita ist. Das Wetter ist wie im Bilderbuch  – 27 °C  im Schatten, Wassertemperatur 27 °C (sagt der Kapitän), ein locker Passatwind und leichter Wellengang, idealer geht es wirklich nicht. Bevor wir den Atlantik überqueren, steht noch eine kleine Karibik-Kreuzfahrt auf dem Programm.

St. Lucia, unser erster Hafen, gehört zu den wahren Trauminseln der Karibik. Eine ganze Reihe von Sehenswürdigkeiten wartet darauf, entdeckt zu werden: farbenfrohe Fischerdörfer, romantische Strände, unendliche Regenwälder und eine exotische Blütenpracht. Den schönsten Anblick aber bieten die beiden Vulkane Gros Piton und Petit Piton, die – so sieht es der einheimische Dichter und Nobelpreisträger Derek Walcott – wie ein Busen aus dem Meer in den karibischen Himmel ragen. Aber auch unter Wasser ist St. Lucia ist St. Lucia Spitzenklasse: wie im Aquarium fühlen wir uns, als wir nach einem Sprung ins warme Wasser in die bunte und artenreiche Unterwasserwelt eintauchen. Als wir dann mit dem Katamaran entlang der zauberhaften Küste mit der berühmten Marigot Bay segeln, würden wir schon gerne ein paar Tage länger hierbleiben wollen.

Neuer Tag, neue Insel: Grenada, eigentlich nur ein kleiner Klecks im karibischen Meer mit nicht einmal 100.000 Einwohnern, bietet unglaublich viele Möglichkeiten, einen aktiven Urlaub in einer Traumlandschaft zu erleben. Wir buchen eine Fahrradtour, um mehr von dieser schönen Insel und insbesondere dem Hinterland mit der üppigen Vegetation, den Schluchten und Vulkanen zu sehen. Grenada ist auch als Gewürzinsel bekannt, vor allem Muskat, Zimt und Nelken kommen von hier. Überall blüht es, und ein milder Duft von Gewürzen liegt in der Luft, wenn man mit dem Fahrrad nicht gerade die Hauptstraße entlang fährt. Das Panorama während unserer Fahrradtour ist beeindruckend, der Fahrstil einige Autofahrer auch. So sind wir froh, als wir das Städtchen St. George`s – die Inselhauptstadt mit ihren weißen und pastellfarbenen Häusern gilt als die attraktivste Hafenstadt der Karibik – verlassen können, um nach der Durchquerung eines wildromantischen Tals, vorbei an kleinen Siedlungen, einen traumhaften Badestrand erreichen. Echtes Karibik-Feeling kommt auf, alles ist perfekt. Ich wäre gern noch ein wenig weiter geradelt, aber der Rest der Gruppe lässt sich nicht mehr vom Bilderbuchstrand vertreiben. Nach der gemütlichen Rückfahrt zur AIDAaura bummeln Heidi und ich noch ein wenig durch St. George`s und lassen das karibische Lebensgefühl auf uns wirken.

Zum letzten Mal vor unserer Atlantiküberquerung haben wir festen Boden unter den Füßen – wir sind auf Barbados gelandet. Die Insel ist die östlichste der Kleinen Antillen und als einzige Karibikinsel nicht vulkanischen Ursprungs. Geprägt von englischen, afrikanischen und westindischen Einflüssen entwickelte Barbados eine eigene karibische Identität. Die Inselbewohner behaupten, das Leben sei hier zwar nicht entstanden, aber von Ihnen perfektioniert worden – das können wir gut verstehen. Überall wird Zuckerrohr angebaut, aus dem der berühmte Barbados-Rum gewonnen wird. Auch Barbados ist ein Karibik-Paradies wie aus dem Bilderbuch. Alles, was man sich von der Karibik erhofft, ist hier zu finden: kristallklares Wasser, eine stete leichte Brise, geringe Luftfeuchtigkeit und angenehme Temperaturen das ganze Jahr über. Nicht ohne Grund werden hier viele Werbefilme gedreht. Die Hauptstadt Bridgetown, in deren etwas außerhalb gelegenen Hafen wir heute Morgen mit drei weiteren Kreuzfahrtschiffen angelegt haben, wirkt britisch, eine schöne Mischung aus karibischer Gelassenheit und englischer Korrektheit.

Der Kapitän lässt noch einmal volltanken, fast den ganzen Tag liegt ein Tankschiff neben unserer AIDAaura. Wir sind bereit für das große Abenteuer der Transatlantik-Überquerung, wir sind aufgeregt und erwartungsfroh angespannt, für den Kapitän wird das normaler Arbeitsalltag sein. Endlich Leinen los – mit leichter Verspätung nimmt die AIDAaura Kurs auf Europa, rund 5000 km und 6 Tage bis Madeira, dem ersten Hafen in Europa, liegen vor uns. Wir hoffen, dass das Meer gnädig ist und sich der Seegang in bekömmlichen Grenzen hält.

Wir sind auf dem Atlantik, zwischen den Kontinenten, 1000 km liegen hinter uns, noch 4000 km vor uns und 4000 m unter uns. Seit dem Auslaufen aus dem Hafen von Barbados haben wir noch kein anderes Schiff gesehen. Es ist ein mulmiges Gefühl, so alleine – naja, immerhin mit weiteren 1200 Mitreisenden und der Besatzung – auf dem Atlantik zu schwimmen. Vorn, hinten, rechts – der Seemann nennt das Steuerbord – und links – Backbord – immer nur Wasser, Wasser und nochmals Wasser, weit und breit kein Land in Sicht. Das Wetter ist erstaunlich gut, nur Windstärke 3, und einige Mitreisende meckern schon, dass dies keine richtige Seereise sei. Wir sind sehr zufrieden und hoffen inständig, dass die sie auch weiterhin ruhig bleibt und sich auch das Wetter nicht wesentlich verschlechtert.

Geruhsam gleitet die AIDAaura mit einer Geschwindigkeit von 33 km/h über den Atlantik, am Abend des dritten Tages erreichen wir den “point of no return“, haben also die Hälfte unserer Transatlantik-Strecke zurückgelegt. Das Wetter ist noch immer traumhaft, tagsüber Sonne, nachts sternenklar und spiegelglatte See. Der Kapitän spricht von „Glück“, es muss auf dem Atlantik wohl auch andere Wetterverhältnisse geben. Heute sehe ich zum ersten Mal ein Schiff, einen gewaltigen Tanker, der eine Weile neben uns herfährt. Wir müssen jede Nacht unsere Uhren 1 Stunde vorstellen, um schrittweise die mitteleuropäische Zeit erreichen. Daran merken wir, dass wir etappenweise unserer europäischen Heimat näher kommen. Ansonsten ergeben sich keine besonderen Vorkommnisse, es bleibt in jeder Beziehung ruhig – Entspannung und Erholung pur, so kann es noch einige Tage bleiben.

In der Tat hatten wir vor Antritt der Transatlantikpassage, das müssen wir gestehen, schon Sorgen, dass uns die sechs Tage auf hoher See irgendwie doch langweilig werden könnten. Bei einer Kreuzfahrt läuft das Schiff normalerweise jeden Tag einen anderen Hafen an, von einigen wenigen Seetagen abgesehen, und man kann den Tag zu Erkundungsausflügen an Land nutzen.  So lässt sich bei einer Kreuzfahrt idealerweise der Luxus einer Schiffsreise mit den Möglichkeiten einer  Abenteuer- bzw. Studienreise kombinieren. Aber irgendwie vermissen wir auf dem Atlantik die Häfen und die  Abenteuer an Land nicht, ganz im Gegenteil, wir genießen die viele Freizeit und können richtig abschalten. Die Atmosphäre an Bord ist entspannt und leger, die Wellness-, Fitness- und Unterhaltungsangebote sind ausgezeichnet und lassen keine Spur von Langeweile aufkommen. Noch wichtiger für uns ist aber, dass wir in den Tagen auf See viele ausgesprochen nette Menschen kennenlernen und viel Zeit für interessante Gespräche finden.

Entgegen gängiger Vorurteile können wir auf einer Kreuzfahrt und besonders während der Ozeanüberquerung Ruhe und Einsamkeit genießen. Der weite Blick auf das unendliche Meer, das leichte Rauschen der Wellen, das Lesen eines Buches im Dämmerlicht, der heiße Kaffee beim Sonnenaufgang ganz allein auf dem Deck, aber auch der Schlummertrunk am Heck des Schiffes in stockdunkler Nacht – das sind besondere und unglaublich schöne Augenblicke, die man mit dieser Intensität so nur auf einer längeren Schiffsreise erleben kann.

Keine Eisberge, keine Monsterwellen, keine Piraten und keine Stürme – der Atlantik zeigt sich weiterhin von seiner besten Seite und die Sonne scheint den ganzen Tag, wenn auch nicht mehr ganz so kräftig. Die Wellen sind maximal 2 m hoch und der Wind bläst immerhin mit Stärke 4. Das Leben an Bord hat sich gut eingespielt, wir fühlen uns pudelwohl. Jeder macht das, wozu er Lust hat und eine unglaublich schöne Erfahrung, wirklich einmal Zeit zu haben, ein besonderer Luxus, den wir während der 6 Tage auf dem Meer erleben dürfen.

Und dann ist die schöne Zeit auf dem Atlantik vorbei, noch nicht ganz, wir sind in Funchal, der Hauptstadt von Madeira, angekommen. Nach den unendlichen Weiten des Ozeans mit seinen eher gedeckten Farbenspielen sind wir beeindruckt von der bunten Farbenpracht der exotischen Blütenmeere. Das Klima ist frühlingshaft und wir können gut verstehen, warum sich die österreichische Kaiserin Sissi und der englische Premierminister Winston Churchill auf der “Insel des ewigen Frühlings“ wohlgefühlt haben. Von Funchal nehmen wir Kurs auf Cadiz in Spanien, da frischt der Wind auf, er erreicht immerhin Windstärke 8 und die AIDAaura schaukelt schon heftig. Da sind doch die meisten Mitreisenden froh, als wir im frühen Morgengrauen die Lichter der spanischen Küste sehen und im Hafen von Cadiz festmachen.

Cadiz ist die älteste Stadt Europas, die heute noch bewohnt ist. Sie liegt mit ihrer Nähe zu Afrika und als Sprungbrett nach Amerika ideal in Europa und ist nach wie vor eine wichtige Handels- und Marinebasis, aber auch ein beliebter Urlaubsort an der Costa de la Luz. Der Liegeplatz der AIDAaura mitten in der Stadt ist ideal, wir müssen nur die Straße überqueren und sind schon mitten im Geschehen. Die Altstadt wirkt historisch und modern zugleich, schöne und auch exquisite Geschäfte sowie viele enge Gassen, kleine Plätze und weiße Häuser reihen sich aneinander.

Das ist wenigstens eine richtige Seefahrt! In Cadiz wehte schon ein frischer Wind, der nach dem Verlassen des geschützten Hafens immer stärker wird. Als wir gegen Mitternacht die Straße von Gibraltar erreichen, wird der Wind zu einem Sturm mit Stärke 10, da wackelt und knarrt das Schiff schon bedenklich. Heidi  legt sich vorsichtshalber ins Bett, ich sehe mir mit einigen anderen Unerschrockenen die Passage durch die nur 15 km breite Straße von Gibraltar an und lasse mir den Wind  – oder besser gesagt den Sturm  – um die Nase wehen. An der Steuerbordseite erkennen wir die Lichter  der marokkanischen Hafenstadt Tanger, auf der Backbordseite reicht der Blick bis zur spanischen Küstenstadt Tarifa und der englischen Enklave Gibraltar. Also links Europa, rechts Afrika und hinter uns Amerika – ein schönes Gefühl. Der Kapitän ändert leicht den Kurs, um im Windschatten der spanischen Küste zu bleiben und seinen Passagieren eine einigermaßen ruhige Nacht zu verschaffen. Ich bleibe noch länger auf Deck, im Mittelmeer herrscht reger Schiffsverkehr, ganz anders als auf dem Atlantik, wo wir tagelang kein anderes Schiff gesehen haben.

Gegen 6 Uhr macht die AIDAaura planmäßig im Hafen von Palma de Mallorca fest, unser unvergessliches Transatlantik-Abenteuer geht zu Ende. Es gibt wenige Dinge, die man erlebt haben muss – wir sind uns einig, die Überquerung des Atlantiks gehört dazu.

Fest im Hafen

Fest im Hafen

Weitere Infos über  AIDA-Kreuzfahrten unter www.aida.de.

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