Amerika, Reiseberichte
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Wohnen in Alaska – 2. Etappe: Homer

Wohnen in Alaska: Homer

Mit dickem Kopf von den vielen Alaskan Summer-Bieren am Abend in unserer Stammkneipe in Talkeetna und ohne Frühstück brechen wir auf – 400 km von Talkeetna nach Homer  am Ende des Sterling Highways liegen vor uns. Von unserem Haus „Norma`s Cove“ sind wir total begeistert. Lage, Ausstattung, Einrichtung und unsere super netten Vermieter im Nachbarhaus sind einfach spitze. Auf einer Klippe direkt am Meer gelegen, wahnsinniger Blick auf die Kachemak Bucht mit den Gletschern und den schneebedeckten Bergen auf der gegenüberliegenden Uferseite – hier erfüllt sich der Traum vom Wohnen und Leben in Alaska, wenn auch für uns nur auf Zeit.

Panoramablick

Panoramablick

Homer, ein lebendiges Städtchen auf der Kenai-Halbinsel, hat sich von einem Fischerdorf zu einer hübschen Kleinstadt mit 5000 Einwohnern entwickelt, bekannt auch als „Heilbutt-Hauptstadt der Welt“. Wir erkunden den Ort, kaufen ein, füllen den Kühlschrank auf, waschen unsere Wäsche und erledigen ein paar andere Dinge des täglichen Lebens. Das Einkaufen ist auch immer ein Erlebnis, nie haben wir das in unseren Einkaufstüten, was wir vorher nach langer Diskussion auf unsere Einkaufszettel geschrieben haben. Drei Personen und mindestens drei verschiedene Essenwünsche, das ist der Normalfall. Das Warenangebot ist auch in Alaska äußerst vielfältig, die Preise vor allem für Obst, Gemüse und auch Alkohol gesalzen. Als Heidi und Karl-Heinz ein Kilo Kirschen für 35 $ in den Einkaufswagen legen, protestiere ich entschieden, leider erfolglos.

Abendessen in unserem Garten

Abendessen in unserem Garten

Unsere Vermieter – er ist Kapitän auf einem Forschungsschiff, sie Zahnärztin mit eigener Praxis – sind nicht nur ausgesprochen nett, sondern auch außergewöhnlich hilfsbereit. Sie schenken uns zur Begrüßung ein Lachs, bringen täglich frische Früchte vorbei, leihen uns ein Handy und für uns ideal – sie besorgen uns drei Fahrräder, mit denen wir die Gegend bequemer erkunden können. Wir kochen zusammen mit Ihnen, essen und trinken gemeinsam im Garten oft bis spät in die Nacht und erfahren viel über das Leben in Alaska. Sie sind fest überzeugt, dass es keinen schöneren Platz auf der Erde als Alaska gibt – das finden wir mittlerweile auch.

Die letzte große Wildnis

Die letzte große Wildnis

Wir wandern, fahren Fahrrad, schippern mit dem Kajak über die Bucht erkunden mit dem Auto die nähere und weitere Umgebung. Die die raue Schönheit der Landschaft, die nahezu unberührte Natur, das tiefblaue Wasser der Bucht und die monumentalen Berge mit ihren schneebedeckten Gipfeln begeistern uns immer wieder. Aber wir wollen noch mehr: Wir wollen Bären in freier Wildbahn erleben! Am Airstrip in Homer treffen wir Jimmy, er ist Buschpilot, sieht zwar wie ein großer Junge aus, weiß aber, wo wir Bären in freier Wildbahn sehen können. Wir müssen Gummistiefel anziehen und dann in die kleine Propellermaschine einsteigen. Jimmy fliegt wunderbar und immer, wenn es etwas zu sehen gibt, geht es im Sturzflug runter. Man merkt ihm seine Freude an, uns vieles zeigen und erklären zu können. Plötzlich setzt er auf dem Strand einer kleinen Insel zur Landung an, es ruckelt gewaltig und dann können wir aussteigen. Das Wetter ist unglaublich gut – blauer Himmel und für Alaska knallheiß, ideales Bärenwetter.

Bärenbeobachtung

Bärenbeobachtung

Wir ziehen zu Fuß los, Jimmy vornweg und wir drei hinterher. Er gibt uns strenge Sicherheitshinweise und sieht dabei insbesondere mich scharf an. Er nimmt seinen Flammenwerfer in die Hand, die einzige Waffe, die er zu unserer Verteidigung vor einem möglichen Bärenangriff mitnimmt. Ich bin schon ein wenig nervös, mir steht der Sinn nicht nach Späßen, brav und schweigsam trotte ich hinter Jimmy her. Und dann sehen wir sie auch schon: mehrere Bären in 50 – 100 m Entfernung, kein Zaun zwischen uns. Wir schauen den mächtigen Bären eine Zeitlang beim Fressen zu, ein unglaublich erhabenes Gefühl, diese gewaltigen Tiere in freier Wildbahn so nah zu beobachten. Als sich ein Grizzly aufrichtet und prüfend in unsere Richtung schaut, halten wir den Atem an. Er scheint zufrieden und frisst weiter. Mutig schleichen wir uns immer näher heran, mindestens zehn Bären können wir so aus nächster Nähe ganz in Ruhe beobachten – ein unvergessliches Erlebnis.

Bär auf dem Weg zu uns

Bär auf dem Weg zu uns

Es bleibt spannend: Zwei Bären in unserer Nähe spielen oder kämpfen miteinander – genau können wir das nicht erkennen. Immer wieder richten sich auf und gehen aufeinander los, ein packendes Schauspiel direkt vor unseren Augen. Plötzlich – mein Herz bleibt fast stehen – rennen beide direkt auf uns zu und drehen etwa 20 m vor uns wieder ab. Jimmy hat die Hand am Flammenwerfer, bleibt aber ruhig. Er ist sicher, dass die Attacke nicht uns gegolten habe, sondern die Bären mit sich selbst beschäftigt gewesen seien. Ich hoffe nur, die Bären haben das auch so gesehen. Wir müssen zurück, im Brackwasser stehen auch ein paar Bären, die scharf auf Muscheln sind. Jimmy dreht das Flugzeug um, lässt uns einsteigen, startet mit dröhnenden Motor und fliegt noch für uns eine Ehrenrunde über unsere Bäreninsel. Beinahe können wir nicht landen – ein Coyote rennt auf der Start- und Landebahn in und her.

Halibut Cove

Halibut Cove

Nach dem aufregenden Bärenabenteuer und dem Flug durch die Bergwelt Alaskas lassen wir es ruhiger angehen. Das Wetter ist immer noch einmalig und anders als erwartet – Sonnenschein mit fast wolkenlosem Himmel bei Temperaturen von rund 20°. Selbst die Mücken bleiben friedlich und halten sich zurück. Mit einem alten Kahn schippern wir über die Bucht nach Halibut Cove, früher ein kleines Fischernest, heute ein bekanntes Künstlerdorf mit einem guten Restaurant. Die Häuser stehen auf Holzpfählen und sind über Brettersteige miteinander verbunden.  Die traumhafte Landschaft wirkt wie aus dem Bilderbuch, das ist schon unnatürlich schön. Wir erleben Seeadler direkt neben uns – der Weißkopf-Seeadler ist das Wappentier der USA –, Papageientaucher, Kormorane und auch Seeotter in einer offensichtlich noch intakten Natur. Inmitten dieser faszinierenden Idylle philosophieren wir drei über Gott und die Welt und stellen übereinstimmend fest, dass das Leben auch ohne Arbeit wunderbar sein kann. 

Sommeridylle in Halibut Cove

Sommeridylle in Halibut Cove

Unser Abendprogramm kann schöner nicht sein. Das Bier im Salty Dawg Saloon, dem Wahrzeichen Homers mit dem alten Leuchtturm, läuft wie geölt die Kehle runter, zuvor hat Karl-Heinz ein paar Schollen aus dem Meer geangelt. Das warme Wasser blubbert, mit einer Flasche Alaskan Summer Beer liegen wir im Whirlpool und genießen den traumhaften Blick auf die Bucht und die majestätischen Berge. Nur die beiden Eulen im Baum über uns schauen zu, und wir warten gespannt auf die Elchkuh, die jeden Abend mit ihrem Kalb über das Grundstück läuft. Da kommen schon Glücksgefühle auf und spätestens jetzt gibt für uns es endgültig keinen Zweifel mehr, dass es keinen besseren Platz auf der Erde als Alaska gibt.

Relaxen im Pool und Warten auf die Elche

Relaxen im Pool und Warten auf die Elche

Jeder Abschied fällt schwer, aber dieser Abschied von unseren Häusern in Alaska ganz besonders. Aber nicht nur das Leben, auch die Reise geht für uns weiter. Gemeinsam fahren wir nach Anchorage, von dort wird Karl-Heinz mit seiner Frau Anna in einem kleinen Wohnmobil vier Wochen durch Alaska reisen. Heidi und ich fliegen nach Vancouver und wir werden von dort zu einer Reise durch die kanadischen Rocky Mountains aufbrechen.

Mitternachtsstimmung

Mitternachtsstimmung

In Homer haben wir in Norma`s Cove (www.normascove.net) gewohnt. Infos über Homer unter www.homeralaska.org  oder www.cityofhomer-ak.gov. Der Reisebericht „Wohnen in Seward und Talkeetna“ siehe unter https://visser.reisen/wohnen-in-alaska-seward-talkeetna/ 

 

 

 

 

 

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